BEETHOVENS SEPTETT OP. 20



 


Beethoven um 1801

 

 
 
EINLEITUNG

Perfektion ist eines der wichtigsten Ziele, die Komponisten und Dirigenten anstreben.  Wenn dieses in ihren Augen aus irgendeinem Grund nicht erreicht wird, können sich beide zu interessanten Äußerungen hinreißen lassen, wie z.B. Leonard Bernstein in Bezug auf die Akustik der Philharmonie am Gasteig in München oder Beethoven in Bezug auf sein von vielen immer noch bewundertes Septett, op. 20:

"One day Neate spoke to him about the popularity of his Sonatas, Trios, etc., in England, and added that his Septet was very much admired: -- "That's damned stuff" (or "a damned thing"), said Beethoven, "I wish it were burned!" or words to this effect to Neate's great discomfiture" [Thayer-Forbes, 620]

"Eines Tages sprach ihm Neate von der Popularität seiner Sonaten, Trios usw. in England und fügte hinzu, daß sein Septett in hohem Grade bewundert würde. »Das ist verfluchtes Zeug« (oder »ein verfluchtes Ding«), sagte Beethoven, »ich möchte, daß es verbrannt würde«, oder Worte ähnlichen Inhalts; zu Neates großer Bestürzung" [TDR III: 506].

Eine Untersuchung der möglichen Gründe für Beethovens Zorn über sein Frühwerk ist hier jedoch fehl am Platz. Vielmehr sollten wir uns mit seiner Entstehung und Beethovens Lebensumständen während dieser Zeit befassen und danach das weitere Schicksal des Werks zu seinen Lebzeiten verfolgen. Dabei haben wir dann erneut Gelegenheit, seinen weiteren künstlerischen Weg zu bedenken und können uns vielleicht auf diese Weise einem Verständnis seines späteren Zorns nähern.

ZUR ENTSTEHUNG

Thayer-Forbes [S. 263] erwähnt im Zusammenhang mit Skizzen zu Beethovens ersten Streichquartetten, op. 18, Entwürfe aus den Jahren 1798 und 1799:

"Another sketchbook contains the continuation of the sketches for the F major Quartet, and, indeed, for all the movements; then an unused sketch for a "third" quartet [still not yet in existence], then to two songs by Goethe [one "Ich denke dein"], then to the movements of the G major Quartet, which is thus indicated to have been the third [the intermezzo in the second movement was conceived later], further sketches for the A major Quartet, which, it follows, was the fourth. Among these sketches are others for the Septet and the Variations on "Kind, willst du ruhig schlafen?" which appeared in December in 1799, and was therefore not composed earlier. All these sketches date from 1798 and 1799" [TF: 263].

"Ein anderes Skizzenbuch, früher im Besitze von Al. Fuchs (der es aus Beethovens Nachlaß gekauft), dann ebenfalls von Graßnick, hat die Fortsetzung der Skizzen zum F-Dur-Quartett, und zwar zu allen Sätzen (in einer nicht benutzten Skizze zum Adagio die Worte les derniers soupirs, was Amendas Erzählung bestätigt), dann eine nicht benutzte Skizze zu einem »dritten« Quartett (dies existierte also immer noch nicht), dann zu zwei Goetheschen Liedern (darunter »Ich denke dein«), und hierauf zum G-Dur-Quartett, welches also das dritte war, zu allen vier Sätzen (im zweiten noch nicht das Intermezzo, welches also später entstand); darunter weiter Skizzen zum A-Dur-Quartett; dies war also das vierte. Dazwischen Skizzen zum Septett und u.a. zu den Variationen über »Kind, willst du ruhig schlafen«, welche im Dezember 1799 erschienen und also nicht viel früher komponiert waren. Also alles aus 1798 und 1799; die Quartette waren aber noch nicht fertig" [TDR II: 188].

Während unsere "ältere Quelle", Thayer-Forbes [S. 265 und 273 in der Liste der fertiggestellten Kompositionen] op. 20 als im Jahr 1800 als endgültig fertig beschreibt, erwähnen sowohl Maynard Solomon [S. 74] als auch Barry Cooper [S. 82 und 86], dass es Ende 1799 bereitlag.  Zitieren wir hier Cooper:

"During the last few month of 1799 Beethoven concentrated mainly on composing his Septet, Op. 20 . . . " [S. 82; --

Cooper schreibt hier, dass Beethoven sich in den letzten Monaten des Jahres 1799 auf die Komposition seines Septetts, op. 20 konzentrierte].

Wenn wir diese Information vorerst als gegeben betrachten, können wir uns den allgemeinen Verlauf von Beethovens Aktivitäten im Sommer und Herbst 1799 so vorstellen, dass er, wie wir aus dem entsprechenden Abschnitt unserer Biographischen Seiten und unserer Seite zu Beethovens Freundschaft mit Carl Friedrich Amenda wissen, dass er im Sommer sowohl die Gesellschaft seines baltischen Freundes als auch die der ungarischen Familie von Brunsvik genoss, bevor er sich im Herbst wieder auf seine kompositorische Arbeit konzentrierte und somit auch das Septett zu Papier brachte.

ZUR URAUFFÜHRUNG

In Bezug auf die Frage, wann das Septett wohl zum erstenmal gespielt wurde, ziehen wir wieder Cooper zu Rate:

"The Septet was first performed on 20 December 1799; a little known letter written by Josephine Deym the next year states that . . .



Josephine v. Deym, geb. v. Brunsvik

. . . her brother Franz had attended music played by Schuppanzigh, 'and was transported by it, especially by a septet composed by Beethoven, which must have been the non plus ultra, as much for the performance as for the composition" [Cooper: 87;--

Cooper schreibt hier, dass das Septett zum erstenmal am 20. Dezember 1799 gespielt worden sei; ein wenig bekannter Brief Josephine von Deyms besage, dass ihr Bruder Franz einem Konzert beigewohnt habe, bei dem Schuppanzigh das Septett gegeben hätte, und dass er, von Brunsvik, von der Musik entzückt worden sei.   Das Septett sei sowohl von der Darbietung her als auch von seiner Komposition her das non plus ultra gewesen].

Maynard Solomons Hinweis auf die Entstehung des Septetts im Jahr 1799 steht in einem Satz in Klammern, der im Zusammenhang mit Beethovens Wettstreit mit Joseph Haydn steht und auf einen Bericht des Komponisten und Virtuosen Johann Nepomuk Emanuel Dolezalek verweist: "Dolezalek reports that when the Septet (completed in 1799) was first played Beethoven exclaimed: "This is my Creation" [Solomon: 74].   Solomon bezieht sich dabei auf Kerst II: 192: "Das Septett wurde beim Fürsten Schwarzenberg zuerst gespielt und sehr bewundert. "Das ist meine 'Schöpfung'."

Wie dem auch sei, die erste öffentliche Darbietung des Werks fand laut Thayer-Forbes [p. 255-256] am 2. April 1800 in Wien statt:

"To-day, Wednesday, April 2nd, 1800, Herr Ludwig van Beethoven will have the honor to give a grand concert for his benefit in the Royal Imperial Court Theatre beside the Burg. The pieces which will be performed are the following:

1. A grand symphony by the late Kapellmeister Mozart.
2. An aria from "The Creation" by the Princely Kapellmeister Herr Haydn, sung by Mlle. Saal.
3. A grand Concerto for the pianoforte, played and composed by Herr Ludwig van Beethoven.
4. A Septet, most humbly and obediently dedicated to Her Majesty the Empress, and composed by Herr Ludwig van Beethoven for four stringed and three wind instruments, played by Herren Schuppanzigh, Schreiber, Schindlecker, Bär, Nickel, Matauschek and Dietzel.
5. A Duet from Haydn's "Creation", sung by Herr and Mlle. Saal.
6. Herr Ludwig van Beethoven will improvise on the pianoforte.
7. A new grand symphony with complete orchestra, composed by Herr Ludwig van Beethoven.
                                                                                                       ...................
Tickets for boxes and stalls are to be had of Herr van Beethoven at his lodgings in the Tiefen Graben, No. 241, third story, and of the box-keeper.
                                                                                                       ...................
                                                                                    Prices of admission are as usual.
                                                                               The beginning is at half past t o'clock."





Kaiserin Maria Theresia v. Österreich,
die zweite Gattin von Kaiser Franz I.


»Heute, Mittwoch, den 2. April 1800 wird im Kaiserl. Königl. National-Hof-Theater nächst der Burg Herr Ludwig van Beethoven die Ehre haben eine große Musikalische Akademie zu seinem Vortheile zu geben. Die darin vorkommenden Stücke sind folgende:

1. Eine große Symphonie von weiland Herrn Kapellmeister Mozart.
2. Eine Arie aus des Fürstlichen Herrn Kapellmeister Haydens Schöpfung, gesungen von Mlle. Saal.
3. Ein großes Konzert auf dem Piano-Forte, gespielt und componirt von Herrn Ludwig van Beethoven.
4. Ein Sr. Majestät der Kaiserin allerunterthänigst zugeeignetes und von Hrn. Ludwig van Beethoven
componirtes Septett auf 4 Saiten- und 3 Blas-Instrumenten, gespielt von denen Herrn Schuppanzigh,
Schreiber, Schindlecker, Bär, Nickel, Matauschek und Dietzel.
5. Ein Duett aus Haydens Schöpfung, gesungen von Herrn und Mlle. Saal.
6. Wird Herr Ludwig van Beethoven auf dem Pianoforte fantasiren.
7. Eine neue große Symphonie mit vollständigem Orchester, komponirt von Herrn Ludwig van Beethoven.

Billets zu Logen und gesperrten Sitzen sind sowohl bei Herrn van Beethoven in dessen Wohnung im Tiefen Graben Nr. 241 im 3ten Stock als auch beim Logenmeister zu haben.

                                                                                 Die Eintrittspreise sind wie gewöhnlich.
                                                                           Der Anfang ist um halb 7 Uhr« [TDR II 171-172].

Der Korrespondent der Allgemeinen Musikalischen Zeitung geht in seiner Rezension auf das Klavierkonzert, Improvisation und die (erste) Symphonie ein, die Beethoven darbot, und auch auf die mangelhafte Qualität des Orchesters ein, erwähnt aber das Septett nicht. Thayer-Forbes berichtet abschließend, dass:

"The Symphony in C soon became known throughout Germany; while the Septet achieved a sudden popularity so widely extended and enduring as at length to become an annoyance to the composer[2": Czerny to Jahn, TDR II, 173: "He could not endure his Septet and grew angry because of the universal applause with which it was received" [TF: 256;--

"Die Symphonie in C wurde bald in Deutschland bekannt; das Septett gewann rasch eine so ausgedehnte und dauernde Popularität, daß sie zuletzt dem Komponisten sogar unangenehm war. »Sein Septett konnte er nicht leiden und ärgerte sich über den allgemeinen Beifall, den es erhielt«, erzählte Czerny Otto Jahn" TDR II: 173].

Schließen wir unseren Bericht zur Uraufführung des Septetts mit Joseph Haydns Urteil darüber ab, das Solomon in Fußnote 47 auf Seite 340 anführt:

"According to Moscheles, "Haydn heard that Beethoven had spoken in a tone of depreciation of his oratorio The Creation. "That was wrong of him," said Haydn: "What has he written then? His Septet?" Haydn then added: "Certainly that is beautiful, nay, splendid!" [Solomon: 340;--

--Solomon läßt Ignaz Moscheles berichten, dass Haydn gehört haben soll, wie Beethoven sich abfällig über seine "Schöpfung" geäußert haben soll. "Das war nicht recht von ihm," habe Haydn gesagt, "was hat er denn geschrieben? Sein Septett?", und habe dann hinzugefügt: "Das ist sicher schön, ja, sogar wunderbar!"].

 

ZUR VERÖFFENTLICHUNG

Wie Thayer-Forbes [S. 258-259] berichtet, verbrachte Beethoven den Sommer des Jahres 1800 in einem Haus in Unterdöbling, damals zu Fuß etwa eine Stunde von der Wiener Innenstadt entfernt, und aus dieser Zeit erinnerte sich der österreichische Dramatiker Grillparzer an den gleichzeitigen Aufenthalt seiner Familie im selben Haus.





Franz Anton Hoffmeister


Nach seiner Rückkehr im Herbst in seine Wohnung am "Tiefen Graben" soll sich der Komponist und Verleger Franz Anton Hoffmeister an Beethoven gewendet haben:

"One of the most prolific and popular composers whom Beethoven found in Vienna was Franz Anton Hoffmeister, "Kapellmeister and R.I. licensed Music, Art and Book Seller." He was an immigrant from the Neckar valley and (born 1754) much older than Beethoven, to whom he had extended a warm sympathy and friendschip, doubly valuable from his somewhat similar experience as a young student in Vienna. This is evident from the whole tone of their correspondence.  In 1800, Hoffmeister left Vienna and in Leipzig formed a copartnership with Ambrosius Kühnel, organist of the Electoral Saxon Court Chapel, and established a publishing house there, still retaining his business in Vienna. As late as December 5, 1800, his signature is as above given; but on the 1st of January, 1801, the advertisements in the public press announce the firm of "Hoffmeister and Kühnel, Bureau de Musique in Leipzig." Since 1814 the firm name has been C.F. Peters.  Knowing Beethoven personally and so intimately, it is alike creditable to the talents of the one and the taste and appreciation of the other that Hoffmeister, immediately upon organizing his new publishing house, should have asked him for manuscripts.   To his letter he received an answer dated December 15, 1800, in which Beethoven says:

Dearest Hr. Brother!

    I have been on the point of replying to your inquiry several times, but I am so fearfully lazy about my correspondence and I am loath to write dry letters [of the alphabet] instead of musical notes. Now at last I have prevailed upon myself to comply with your request--

    Pro primo you must know that I am very sorry that you, my dear brother in music, did not let me know anything of this earlier so that I might have marketed my quartets with you, as well as many other pieces which I have sold.   But if Hr. Brother is as conscientious as many other honest engravers who stab us poor composers to death, you will know how to derive profit from them when they appear-- I will now set forth in brief what Hr. B[rother] can have from me.   1. A Septet per il violino, viola, violoncello, contra bass, clarinet, corno, fagotto--tutti obbligati (I cannot write anything non-obbligato for I came into this world with an obbligato accompaniment.)   This Septet has been very popular.   For its more frequent use the wind-instruments, namely: fagotto, clarinetto and corno might be transcribed for another violin, viola and violoncello.-- . . . That is all I can give you at this moment . . .

    Dearest brother, take care of yourself and be assured of the regard

                                                                                                                                     of your brother

                                                                                                                                                                             L.v.Beethoven" [Thayer-Forbes: 259-261].

"Einer der fruchtbarsten und populärsten Komponisten, die Beethoven in Wien fand, war Franz Anton Hoffmeister, »Kapellmeister und K. K. privilegirter Musik-, Kunst- und Buchhändler«. Er war aus dem Neckartal eingewandert und hatte, wiewohl weit älter als Beethoven (geb. 1754), warme Sympathie und Freundschaft zu demselben gefaßt, welche letzterem in Anbetracht der in gewisser Weise ähnlichen Erfahrungen, die Hoffmeister als junger Künstler und noch dazu in Wien gemacht hatte, doppelt wertvoll sein mußte.   Man erkennt dies aus dem ganzen Tone ihrer Korrespondenz.   Im Jahre 1799 verließ er Wien, um eine musikalische Reise durch Deutschland und nach London zu unternehmen, änderte jedoch seine Absicht, als er nach Leipzig gekommen war.   In dieser Stadt vereinigte er sich mit Ambrosius Kühnel, dem Organisten an der Kurf. Sächs. Hofkapelle, zur Gründung eines Verlagsgeschäftes, während er gleichzeitig sein Geschäft in Wien noch beibehielt. Bis zum Dezember 1800 fügte er seiner Firma den oben angeführten Titel hinzu; am 1. Januar 1801 aber zeigten die Ankündigungen in der Presse die Firma »Hoffmeister und Kühnel, Bureau de Musique in Leipzig« an (seit 1814 C. F. Peters).   Bei seiner genauen persönlichen Bekanntschaft mit Beethoven ist es eben so ehrenvoll für die Talente des letzteren wie für den Geschmack und das Urteil Hoffmeisters, daß er unmittelbar nach der Einrichtung seines neuen Verlagsgeschäftes sich an Beethoven um Überlassung von Manuskripten wendete. Er erhielt folgende Antwort" [TDR II: 180]:



                                                                                                                       Briefausschnitt

                                                                          Beethoven an Franz Anton Hoffmeister in Leipzig





                                                                                                                                                                       Vien am 15ten dezember.[1800][1]

Geliebtester Hr Bruder!


ich habe dero Anfragen schon mehrmahlen beantworten wollen, bin aber in der Briefstellerey erschrecklich faul, und da steht's lange an, bis ich einmal statt Noten trockene Buchstaben schreibe, nun habe ich mich endlich einmal bezwungen, dem Begehren gnüge zu leisten --

pro primo ist zu wissen, daß es mir sehr leid ist, sie mein geliebter Hr. Bruder in der Tonkunst mir nicht eher etwas zu wissen gemacht haben, damit ich ihnen meine Quartetten hätte zu Markt bringen können,[2] so wie auch viele andere Sachen, die ich nun schon verhandelt,[3] doch wenn der Hr. Bruder eben so gewissenhaft sind, als manche andere Ehrliche Stecher, die unß arme Komponisten zu Tod stechen, so werden sie schon auch wissen, wenn sie herauskommen, nuzen davon zu ziehen[4] --ich will in der Kürze also hersezen, was der Hr. B.[ruder] von mir haben können: 1 ein Septett[5] per il Violino, viola, violoncello, ContraBasso, clarinetto, corno, fagotto, -- tutti obbligati, (ich kann gar nichts unobligates schreiben, weil ich schon mit einem obligaten accompagnement auf die Welt gekommen bin.) Dieses Septett hat sehr gefallen,[6] zum Haüfigern gebrauch könnte man die 3 BlaßInstrumente nemlich: fagotto, clarinetto, und corno, in noch eine violine, noch eine Viola, und ein Violoncello übersezen. -- 2 eine große Simphonie . . .

Geliebtester Hr. Bruder gehaben sie sich wohl, und seyn sie Versichert von der Achtung Ihres Bruder's

                                                                                                                                                    Lv Beethoven.

Herrn Herrn Fr. Ant. Hoffmeister in Leizpig


[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 49, S. 54-55; Original: Bonn, Beethoven-Haus; zu [1]: verweist laut GA auf die Jahreszahl entsprechend des Registraturvermerks sowie aus inhaltlichen Gründen; zu [2]: verweist auf op. 18; zu [3]: verweist auf op. 15, op. 16 und op. 17, die laut GA im März 1800 bei Mollo in Wien erschienen sind; zu [4]: laut GA eine versteckte Aufforderung zum Nachstich, der Hoffmeister trotz Erinnerung nicht gefolgt ist; zu [5]: verweist auf op. 20; zu [6]: verweist laut GA darauf, dass das Septett von am 20.12.1799 und danach wiederholt aufgeführt worden war; Angaben S. 55 entnommen].

 



Wenn wir in Band I der Gesamtausgabe weiterblättern, finden wir als ersten Brief des Jahres 1801 einen Verweis auf Hoffmeisters Zeilen an Beethoven:



                                                                           Franz Anton Hoffmeister an Beethoven in Wien





                                                                                                                                                                       [Leipzig, 7. Januar 1801]


[Laut GA greift Hoffmeister Beethovens Angebot vom 15.12.1800 auf (Brief 49) und bittet ihn, die Preise selbst zu bestimmen. Er berichtet ihm von seiner geplanten Ausgabe der Werke J. S. Bachs.]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 53, S. 63; Original: nicht bekannt; Brief laut GA erschlossen aus dem Registraturvermerk auf Brief 49 und 54; Angaben S. 63 entnommen].

 





Seite 63 der Gesamtausgabe macht uns mit Beethovens Antwort an Franz Anton Hoffmeister vom 15. Januar 1801 bekannt. (Auch Cooper [S. 104] verweist auf diesen Brief).



                                                                                                                       Briefausschnitt

                                                                          Beethoven an Franz Anton Hoffmeister in Leipzig





                                                                                                                                                                       Vien am 15ten (oder so was dergleichen) Jenner 1801

mit vielem Vergnügen mein geliebtester Hr. Bruder und Freund habe ich ihren Brief[1] gelesen, ich danke ihnen recht herzlich für die Gute Meynung, die sie für mich und meine Werke gefaßt haben, und wünsche es nur recht verdienen zu können; auch dem Hr. K.[2] bitte ich meinen Pflicht-schuldigen Dank für seine gegen mich geäußerte Höflichkeit und Freundschaft abzustatten.-- . . . für jezt trage ich ihnen folgende sachen an: Septet[5], (wovon ich ihnen schon geschrieben, zu mehrerer Verbreitung und Gewinn ließ es sich auch auf's Klawier arrangieren) 20# - . . .

. . . ich bin schon einige Zeit nicht wohl, und da wird es mir jezt sogar ein wenig schwer Noten zu schreiben, vielweniger Buchstaben, ich hoffe, daß wir oft Gelegenheit haben werden, unß zu versichern, wie sehr sie meine Freunde, und wie sehr ich bin ihr Bruder und Freund

                                                                                                                                      L. v. Beethoven.

A Monsieur Francois Hoffmeister maitre de Chapelle a Leipzic
abzugeben in dem Bureau de Musique


[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 54, S. 63-65; Original: Bonn, Beethoven-Haus; zu [1]: verweist auf Brief Nr. 53 vom 7.1.1801, der nicht erhalten ist; zu [2]: verweist laut GA auf Hoffmeisters Kompagnon, den Organisten Ambrosius Kühnel; zu [5]: verweist auf op. 20; Angaben S. 64-65 entnommen].

 



Bereits am 24. Januar meldete sich Hoffmeister brieflich bei Beethoven:



                                                                           Franz Anton Hoffmeister an Beethoven in Wien





                                                                                                                                                                       [Leipzig, 24. Januar 1801]


[Laut GA nimmt Hoffmeister Beethovens Angebot vom 15.1.1801 an und berichtet von dem Plan, Mozarts Klaviersonaten in Bearbeitung für Streichquartett herauszugeben, und bittet Beethoven, sich daran zu beteiligen.]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 55, S. 65; Original: nicht bekannt; Brief laut GA erschlossen aus den Registraturvermerken auf den Briefen Nr. 54 und Nr. 60; Angaben S. 65 entnommen].

 



In seinem Brief vom 22. April 1801 teilt Beethoven Hoffmeister die Opusnummer für das Septett mit:



                                                                                                                       Briefausschnitt

                                                                          Beethoven an Franz Anton Hoffmeister in Leipzig





                                                                                                                                                                       Vien am 22. April [1801]

Mein geliebtester Hr. Bruder,

. . .

um so viel als möglich die Werke in der gehörigen Ordnung folgen zu laßen, merke ich ihnen an, daß Sie auf . . . das Septett opus 20 . . . sezen mögen laßen-- . . .

haben sie sich wohl und halten sie lieb Ihren Freund und Bruder

                                                                                                                                       Beethoven.

An Herrn Kapellmeister Hoffmeister in Leipzig
abzugeben in dem Bureau de Musique


[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 60, S. 72-73; Original: im Privatbesitz; Angaben S. 73 entnommen].

 



Unmittelbar darauf, am 25. April 1801, meldete die Wiener Niederlassung Hoffmeisters nach Leipzig, dass die Stichvorlage zu op. 20 auf den Weg gebracht wurde:



                                                                           Hoffmeister & Comp. an Hoffmeister & Kühnel in Leipzig



                                                                                                                                                                       Wien, den 25. April 1801


[Laut GA meldet der Geschäftsführer Caspar Josef Eberl: >>unterm 20. dies habe durch Postwag.[en] für ihre Rech.[nung] unter adreße Köhler Bernhard & Comp. 1 Packet mit Musiqu[e] Manuscript[en] v Beethoven des 7tet u Simpfonie,[1] . . . gesant, unter obiger adreße welche wohl zu empfangen wünsche . . . <<

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 61, S. 74; Original: Sächsisches Staatsarchiv (Musikverlag C.F. Peters, Nr. 1401 fo. 38f; zu [1]: Stichvorlagen von op. 20 und op. 21; Angaben S. 74 entnommen].

 



Im Juni 1801 musste sich Beethoven seinem Leipziger Verleger gegenüber verteidigen. Lesen wir doch den Brief selbst, um zu erfahren, warum:



                                                                                                                       Briefausschnitt

                                                                          Beethoven an Franz Anton Hoffmeister in Leipzig





                                                                                                                                                                       [Wien, 22. oder 23. Juni 1801][1]

    Ein wenig Verwundert bin ich wirklich über das, was sie mir durch den hiesigen Besorger ihrer Geschäfte[2] haben sagen laßen, fast möchte es mich Verdriessen, daß sie mich eines so schlechten Streichs fähig halten, ein anders wäre es, ich hätte meine Sach nur gewinnsüchtigen Krämern verhandelt, und machte denn noch verstekter Weise eine andere gute Spekulazion, aber Künstler gegen Künstlerdas ist etwas stark mir so etwas zuzumuthen, mir scheint das ganze entweder völlig ausgedacht um mich zu prüfen, oder bloß Vermuthung zu seyn, auf jeden Fall diente ich ihnen hiemit, daß ich ehe sie das Septett[3] von mir erhielten, ich es HR. Salomon[4] +um in seinem Konzert aufzuführen, dieses geschah bloß aus Freundschaft. + nach london schickte, aber es mit dem beysatze, ja zu sorgen, daß es nicht in fremde Hände komme, weil ich gesonnen sey, es in Deutschland stechen zu laßen, worüber, wenn sie es nöthig finden, sie sich selbst bey ihm erkundigen können, um ihnen aber noch einen Beweiß von meiner Rechtschaffenheit zu geben, gebe ich ihnen hiemit meine schriftliche Versicherung, daß ich das Septett, das Konzert[5], die Simphonie[6] und die Sonate[7] niemand in der Welt Verkauft habe als ihnen Hr. Hofmeister und Kühnel, und daß sie es förmlich als ihr ausschließliches Eigenthum ansehen können, wofür ich mit meiner Ehre hafte, sie können diese Versicherung auf jeden Fall brauchen wie sie wollen - übrigens glaub ich eben so wenig, daß Salomon eines so schlechten streichs das 7tet stechen zu laßen fähig ist,[8] als ich es ihm <und ihnen> Verkauft zu haben - ich bin so gewissenhaft, daß ich verschiedenen Verlegern den Klawierauszug von dem Septett, um den sie mich angesucht haben, abgeschlagen, und doch weiß i[ch] nicht einmal, ob sie auf diese Art Gebrauch davon machen werden, --hier folgen die längst versprochenen Titel von meinen Werken:

                                                                                              . . . 

                                                                                           Septette
                                               Pour un violin, Viole, violoncelle, contreBasso, un cors, une Clarinette, un fagot.
                                                                                    compose et dedie
                                                                      a sa Majeste l'imperatrice et Reine[10]
                                                                               par louis van Beethoven
                                                                                         oeuvre 20
                                                                                            . . .

                                                                                            . . .

An den Titeln wird noch manches zu ändern oder zu verbessern seyn,[13] daß überlasse ich ihnen - nächstens erwarte ich von ihnen ein schreiben, und auch bald nun die Werke, welche ich wünsche gestochen zu sehen, indem andere darnach schon herausgekommen und kommen,[14] welche sich auf diese Nummern beziehen - an Salomon habe ich auch geschrieben,[15] da ich aber ihre Aussagen bloß für Gerücht halte, das sie ein wenig zu leichtgläubig aufnahmen, oder gar für Vermuthung, die sich ihnen vieleicht, da sie von ohngefähr davon gehört haben, daß ich es S.[alomon] geschickt, aufgedrungen hat, so kann ich nicht anders als mit einiger Kälte so leichtgläubigen Freunden mich nennen

ihren Freund
                                                                                                                                                      LvBthwn


[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 64, S. 76-78; Original: Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer BBr 33; zu [1]: verweist laut GA darauf, dass der Brief laut des Registraturvermerks am 29.6.1801 in Leipzig eintraf; zu [2]: verweist auf Caspar Josef Eberl, den Buchhalter in Hoffmeisters Wiener Firma und darauf, dass das Gespräch mit ihm, auf das sich Beethoven bezieht, vermutlich am 21.6.1801 stattfand; zu [3]: verweist auf op. 20; zu [4]: verweist auf Johann Peter Salomon, Violinist, Komponist und Konzertveranstalter in London, vormals aus Bonn; zu [5]: verweist auf op. 19; zu [6]: verweist auf op. 21; zu [7]: verweist auf op. 22; zu [8]: verweist laut GA darauf, dass Salomon das Septett tatsächlich nicht veröffentlichen ließ zu [10]: verweist laut GA auf Maria Theresia, die zweite Gemahlin von Kaiser Franz II; zu [13]: verweist darauf, dass die Titel der Originalausgaben von op. 19 bis 22 nicht wörtlich mit der vorliegenden Formulierung übereinstimmen; zu [14]: verweist darauf, dass diese Werke nach op. 19-22 entstanden, aber später erschienen sind: die Variationen WoO 77, die Violinsonaten op. 23 und op. 24 und der Klavierauszug des Ballets Die Geschöpfe des Prometheus; zu [15]: verweist darauf, dass der Brief laut GA nicht überliefert ist; Angaben S. 78 entnommen].

 



Knappe drei Wochen später hielt sich Hoffmeister in Wien auf, und Beethoven bat ihn um ein Gespräch:



                                                                           Beethoven an Franz Anton Hoffmeister





                                                                                                                                                                       [Wien, 11. Juli 1801]


[Laut GA bittet Beethoven Hoffmeister zu einem Gespräch.]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 68, S. 87; Original: nicht bekannt; Brief laut GA erschlossen aus dem Schreiben Hoffmeisters an seinen Kompagnon Kühnel in Leipzig vom 11.7.1801; laut GA war Hoffmeister am 3.7.1801 zu einem mehrmonatigen Aufenthalt in Wien eingetroffen; Angaben S. 87 entnommen].

 



Über die sehr langsamen Fortschritte in Bezug auf den Druck von op. 20 berichtet der Leipziger Verlag Ende Februar 1802 an das Wiener Büro:



                                                                           Hoffmeister & Kühnel an Hoffmeister & Comp.



                                                                                                                                                                       [Leipzig, 27. Februar 1802]


[Laut GA bittet der Verlag seinen Wiener Geschäftsführer Eberl um Überbringung der "Nachricht an Beeth. wegen Sonate und meldet auch, dass das Septett[2] op. 20 wegen Schuppanzigh noch nicht fertig ist.]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 79, S. 101; Original: nicht bekannt; zu [2]: verweist laut GA auf op. 20; Stichvorlagen von op. 20 und op. 21; laut GA beabsichtigte Schuppanzigh, das Werk auf einer Konzertreise im März 1802 in Dresden als unveröffentlichte Novität aufzuführen; Angaben S. 101 entnommen].

 



Am 13. März 1802 teilt Eberl aus Wien dem Verlag in Leipzig mit, dass Beethoven darum bittet, das Septett nun stechen zu lassen:



                                                                           Hoffmeister & Comp. an Hoffmeister & Kühnel in Leizpig



                                                                                                                                                                       Wien, d.[en] 13ten März 1802


[Laut GA teilt der Wiener Geschäftsführer Eberl Leipzig mit, dass Beethoven "wegen dem Septett[4] sagt er, sollen Sie nur zum Stich schreiten, dan wann sich Schubanzig damit hat hören lassen; so mag es ihme, wänn Sie seyner Composition zu trauen geben, vortheilhafter seyn, wänn Sie es schon zum theil verfertiget haben. [...]

ihr Ergebenster

                                                                                                                                      Caspar Josef Eberl"

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 80, S. 102; Original: Leipzig, Sächsisches Staatsarchiv [Musikverlag C.F. Peters, Nr. 1404, fol. 119f.zu [4]: verweist auf op. 20; Angaben S. 102 entnommen].

 



Aus Anmerkung 1 zu Brief Nr. 82 vom 3. April 1802 von Hoffmeister & Comp. in Wien an Hoffmeister & Kühnel in Leipzig geht folgendes hervor:



                                                                           Hoffmeister & Comp. an Hoffmeister & Kühnel in Leizpig



Leipzig d Hrn Hom. u. Kühnel

                                                                                                                                                                    Wien den 3ten April 1802

[...] H.[err[ van Beethoven dancket für die überschickten Exemp.[lare][1] . . .

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 82, S. 104; Original: Leipzig, Sächsisches Staatsarchiv [Musikverlag C.F. Peters, Nr. 1404, fol. 123.zu [1]: laut GA kann es sich hier nur um Exemplare der Originalausgabe von op. 22 handeln, da op. 19 und op. 21 bereits im Dezember 1801 publiziert waren und op. 20 aber erst im Juni 1802 gedruckt wurde; Angaben S. 104 entnommen].

 



Kaum ein paar Tage später drängt Beethoven in seinem nächsten Brief an den Verlag auf den Versand des Septetts:



                                                                           Beethoven an Hoffmeister & Kühnel in Leipzig





                                                                                                                                                                       Vien, am 8ten april 1802


. . .

Meine Sonate ist schön gestochen[5] -- doch hat's hübsch lange gedauert -- mein Septett schikt ein wenig geschwinder in die Welt[6] -- . . .

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 84, S. 105-106; Original: Bonn, Beethoven-Haus; zu [5]: verweist auf op. 22; zu [6]: verweist auf op. 20 und darauf, dass das Werk Ende Juni 1802 bei Hoffmeister erschienen ist; Angaben S. 106 entnommen].

 



Am 19. Juni kündigt der Leipziger Verlag dem Wiener Geschäftsführer Eberl die nun baldige Ankunft des Septetts an:

                                                                           Hoffmeister & Kühnel an Hoffmeister & Comp.



                                                                                                                                                                                                                      [Leipzig, 19. Juni 1802]

  [Laut GA läßt der Verlag Beethoven durch seinen Wiener Geschäftsführer Eberl mitteilen, er solle "künftige Woche Septetto[1] erhalten. . . . ]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 93, S. 113-114; Original: nicht bekannt, erschlossen aus Aufzeichungen Kühnels in einem Kopierbuch des Verlags; zu [1]: verweist auf op. 20; Angaben S. 114 entnommen].

 



Am 30. Juni erreicht Eberl in Wien eine weitere Nachricht aus Leizpig:



                                                                           Hoffmeister & Kühnel an Hoffmeister & Comp.



                                                                                                                                                                                                                      [Leipzig, 30. Juni 1802]

  [Laut GA weist der Verlag den Geschäftsführer Eberl an: "Beethoven erhält 5. Ex.[emplare] von Septetto[1], sollte er 1 von guten Papier für die Kaiserin brauchen, so solls gedruckt werden.[2] . . . "]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 95, S. 115; Original: nicht bekannt, erschlossen aus Aufzeichungen Kühnels in einem Kopierbuch des Verlags; zu [1]: verweist auf op. 20; zu [2]: verweist auf Kaiserin Maria Theresia, der das Septett gewidmet war; Angaben S. 115 entnommen].

 



Am 14. Juli 1802 drückt Beethoven dem Verlag gegenüber seine Verwunderung über die "geteilte" Veröffentlichung des Septetts aus:

                                                                           Beethoven an Hoffmeister & Kühnel in Leipzig





                                                                                                                                                                       [Heiligenstadt,] am 14ten Juli - 1802 -


. . .

". . . - das 7tet in zwei Theilen,[2] das gefällt mir nicht, warum? - und Wie? - für die Kayserin ein E.[xemplar] - auf feinerm Papier,[3] es schikte sich, doch geht's auch so. - . . . "

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 98, S. 117; Original: Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer Br 150; zu [2]: verweist darauf, dass laut GA die Originalausgabe von op. 20 in zwei Teilen erfolgte, nämlich im ersten die Sätze 1-3 und im zweiten die Sätze 4-6. wichtiger zusätzlicher Hinweis!: laut GA ist die Idee, das Septett in zwei Teilen zu veröffentlichen, schon ein Jahr zuvor besprochen worden. "Am 22.7.1801 teilte Hoffmeister seinem Kompangnon Kühnel mit: "Herr v. Beethoven wird mir zum Septett, das ich auch hier [d.h. in Wien] stechen lasse, noch 1 oder 2 Stüke neu verfertigen, um es sodan in 2 Theile zu theilen, und kaufrechter zu machen" [Quelle: Leipzig, Sächsisches Staatsarchiv, Musikverlag C.F. Peters, Nr. 1404, fol. 57 f.]; zu [3]: verweist auf Kaiserin Maria Theresia, der das Septett gewidmet ist; Angaben S. 117 entnommen].

 



In seinem Brief an den Leipziger Verlag teilt der Wiener Geschäftsführer Eberl am 24. Juli 1802 mit, dass:



                                                                           Hoffmeister & Comp. an Hoffmeister & Kühnel in Leipzig:



                                                                                                                                                                                                                      Wien, den 24t July 1802

 [Laut GA berichtet Eberl unter anderem:] "Herr van Beethoven Habe bereits ord[inaire] 5 Exem[plare] 7tet behändiget . . . er danket nicht nur allein für die Exp. sondern auch für die so saubere Reine auflage, nur ist es ihme nicht recht, das es in 2 Partien eingetheilt ist; auch sollten Sie, was beyliegendes zeiget,

         Partie 2 in Violos pag. 7, letzte Zeilen Takt 3[1]

                                                     [Notenbeispiel]

 noch auf der Platte hin zu sezen lassen:[...]"

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 100, S. 118-119; Original: Leipzig, Sächsisches Staatsarchiv [Musikverlag C.F. Peters, Nr. 1404 fol. 156ff; zu [1]: verweist laut GA auf die letzten beiden Takte im Finale von auf op. 20; Angaben S. 119 entnommen].

 



Die letzte Korrespondenz in Bezug auf das Septett ist jene vom 25. August 1802, die das Wiener Büro des Verlags nach Leizpig sandte:



                                                                           Hoffmeister & Comp. an Hoffmeister & Kühnel in Leipzig:



                                                                                                                                                                                                                      [Wien, 25. August 1802]

 [Laut GA berichtet Eberl unter anderem:] " . . . ich fühle es, der absatz so wohl von 7tet als quintett ist sehr unbetütend . . ."]

[Quelle: Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Bd. 1, Brief Nr. 101, S. 119; Original: Leipzig, Sächsisches Staatsarchiv [Musikverlag C.F. Peters, Nr. 1404 fol. 171ff; Angaben S. 119 entnommen].

 



Wie aus der Korrespondenz zwischen Beethoven und dem Verlag hervorgeht [siehe oben, Brief Nr. 84, Anmerkung Nr. 6], brachte dieser Op. 20 Ende Juni 1802 heraus. Die Thayersche Standardbiografie führt das Werk dementsprechend auch als im Jahr 1802 veröffentlicht auf:

"The publications of the year were:

...

By Hoffmeister and Co. and Hoffmeister and Kühnel in Leipzig:

Septet for Violin, Viola, Clarinet, Horn, Bassoon, Violoncello and Double Bass, Op. 20, dedicated to Emrpess Maria Theresia" [Thayer: 323;--

Thayer berichtet hier im Kapitel zum Jahr 1803, dass Op. 20 1803 bei Hoffmeister & Co. und Hoffmeister und Kühnel in Leipzig erschienen sei].

 

Mit dem Ende unserer Zusammenstellung aller mit der Veröffentlichung des Septetts im Zusammenhang stehenden Briefe und unserer nachfolgenden Schlussbemerkung zum Veröffentlichungsjahr können wir nun zum nächsten Abschnitt übergehen.

 

ZUM WEITEREN SCHICKSAL DES WERKS ZU BEETHOVENS LEBZEITEN
 

Verfolgen wir also in diesem Abschnitt das weitere Schicksal dieses populären Werks während Beethovens Lebzeiten:

Im Herbst des eigentlichen Erscheinungsjahrs 1802 schrieb Beethoven, wie wir aus dem entsprechenden Abschnitt unserer Biographischen Seiten wissen, sein Heiligenstädter Testament und bezieht sich darin eingehend auf seinen Gehörverlust. In seinem von ihm selbst auf den 16. November 1801 datierten Brief [Nr. 70, Band I der Henle Gesamtausgabe, S. 88 - 92] bittet Beethoven seinen rheinischen Freund, Dr. Franz Gerhard Wegeler, um Rat in Bezug auf einen Arztwechsel vom Stabsfeldarzt Dr. Vering zu Dr. Johann Adam Schmidt [1759-1809], ebenballs Stabsfeldarzt und Profesor für allgemeine Medizin an der Josephsakademie, wobei zu bedenken ist, dass sich Wegeler sowohl von 1787 bis 1789 als auch von 1792 bis 1794 in Wien aufhielt:



 



Dr. Johann Adam Schmidt

 

"... von sturzbäder will W.[ering] nichts wissen überhaupt aber bin ich mit ihm sehr unzufrieden, er hat gar zu wenig sorge und Nachsicht für so eine Kranckheit, komme ich nicht einmal zu ihm und das geschiet auch mit viel mühe, so würde ich ihn nie sehen - was hältst du von schmidt[4], ich wechsle zwar nicht gern, doch scheint mir W. ist zu sehr Praktiker als daß er sich viel neue Ideen durchs Lesen verschafte - S.[schmidt] scheint mir hierin ein ganz anderer Mensch zu seyn und würde vieleicht auch nicht gar so nachläßig seyn? - . . . "

Dass Beethoven danach den Wechsel tatsächlich vorgenommen haben muss, geht auch aus folgendem Thayer'schen Bericht hervor:

". . . Later Beethoven did transcribed it as a pianoforte trio with violin or clarinet ad lib (Op. 38) as a tribute of gratitude from the composer to his new physican, Dr. Johann Schmidt. The doctor played the violin and his daughter the pianoforte, both fairly well, and Beethoven arranged his popular piece for family use and, as was customary at the time, gave Dr. Schmidt the exclusive possesion of the music for one year" [TF: 265-266].

" . . . Dann aber hat er es selbst als Klaviertrio (mit Violine oder Klarinette) arrangiert und legte auf diese Bearbeitung Wert. Das kam so.

Aus Dankbarkeit für die Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und erfolgreiche Behandlung seines neuen Arztes, Dr. Johann Adam Schmidt, beschloß Beethoven, für denselben sein sehr populäres Septett zu arrangieren, und zwar in einer Form, in der es für die Ausführung im Familienkreise am meisten geeignet wäre. Dr. Schmidt war ein ziemlich leistungsfähiger Dilettant auf der Violine, und seine Tochter eine Klavierspielerin von beträchtlicher Fertigkeit. . . . Nach der damaligen Sitte war Schmidt ein Jahr lang im alleinigen Besitze des Werkes" [TDR I: 207].

Thayer-Forbes führt dieses Trio auf S. 342 im Kapitel zum Jahr 1803 als in demselben komponiert an, und auf S. 392 im Kapitel zum Jahr 1805 als im Kunst- und Industriekontor erschienen. Bitte verzeihen Sie uns unsere "Abschweifung" auf die Beschreibung eines weiteren Beethovenwerks, aber es bot sich in dem gegebenen Zusammenhang als passend an, zumal eine separate Entstehungsgeschichte zu diesem kleinen Werk etwas zwergenhaft ausfallen dürfte.

Kehren wir zum Originalwerk, dem Septett, zurück. Im Kapitel zum Jahr 1816 berichtet Thayer-Forbes:

"Linke's departure with the Erdödys to Croatia was noted in the last chapter; he returned to Vienna in the autumn of 1815 in season to enable Schuppanzigh to begin his winter season of quartets in Novembeer. They were given in the hall of the hotel "Zum Römischen Kaiser," and had now ended. So, too, had ended the engagement of Schuppanzigh, Weiss and Linke with Razumovsky. The destruction of his palace, the approach of old age, and failing sight, induced him now to dismiss them with pensions from his service. Schuppanzigh went to Russia; Linke returned to the Erdödys and Weiss remained in Vienna. Before their departure the first two gave each a farewell concert. Schuppanzigh's took place in the palace of Count Deym, the programme being made up entirely of Beethoven's works viz: Quartet in C major, Op. 59, No. 3; Quintet for Wind instruments and Pianoforte, Op. 16, Carl Czerny, pianist; and the Septet Op. 20. . . . " [TF: 640].

"Im vorigen Kapitel wurde erzählt, daß Linke mit der Erdödyschen Familie nach Kroatien gereist sei. Im Herbste 1815 war er nach Wien zurückgekehrt, gerade zur rechten Zeit, um Schuppanzigh in den Stand zu setzen, seine Winterquartette im November zu beginnen. Diese fanden in dem Saale des Hotels zum römischen Kaiser statt, und waren jetzt gerade beendet. Zu gleicher Zeit hatte auch das Engagement von Schuppanzigh, Weiß und Linke bei Rasumowsky sein Ende gefunden. Die Zerstörung seines Palastes, das Herannahen des Alters und die Abnahme seines Gesichts veranlaßten den Fürsten, die Künstler mit angemessener Pension aus seinem Dienste zu entlassen. Schuppanzigh ging nach Rußland; Linke kehrte zu den Erdödys zurück; Weiß blieb in Wien.

Vor ihrer Abreise gaben Schuppanzigh und Linke jeder ein Abschiedskonzert. Das Konzert Schuppanzighs fand in dem Palaste des Grafen Deym statt, und sein Programm bestand lediglich aus Werken Beethovens, dem Quartett C-Dur Op. 59, dem Quintett für Blasinstrumente und Klavier Op. 16, wobei Karl Czerny die Klavierstimme spielte, und dem Septett Op. 20. . . . " [TDR III: 548].

Obwohl Beethoven, wie wir bereits wissen, bereits im Jahr zuvor Charles Neate gegenüber sein Missfallen über die Popularität des Septetts ausdrückte, "tolerierte" er dann wohl die Zusammenstellung des Schuppanzigh-Abschiedskonzerts, da er laut TF[S. 640] selbst anwesend war.

Den nächsten Kurzbericht über eine Aufführung des Septetts können wir in Solomons Beethoven-Buch auf S. 318 finden, der dort wie folgt auf ein Konzert Schuppanzighs im Jahr 1824 hinweist:

" . . . For example, nephew Karl reported to Beethoven about Schuppanzigh's concert of January 25, 1824, which featured a Haydn Quartet in C major and Beethoven's Septet, that is was so crowded that 'the people had to stand in front of the door'" [Solomon: 318; --

-- Solomon verweist hier auf den Bericht von Beethovens Neffen Karl an seinen Onkel in Bezug auf Schuppanzighs Konzert vom 25. Januar 1824, bei dem ein Haydn-Quartett in C-Dur, aber auch Beethovens Septett aufgeführt wurden, und dass so viele Leute erschienen, dass sie sich sogar noch vor der Türe anstellten],

Der letzte Bericht in Thayer-Forbes in Bezug auf eine Aufführung des Septetts zu Beethovens Lebzeiten ist im Kapitel zum Jahr 1825 zu finden:

"Among the performances of Beethoven's works in these last months not already mentioned were . . . the Eroica on November 27, the Choral Fantasy, the E-flat Trio on December 11 played by A. Hahn, and finally the Septet, which again created great enthusiasm. In this last the players were Schuppanzigh, Weiss, Linke, the double bass player Metzer, the clarinetist Fredlowsky, the horn player Herbst, and the bassonist Mittag" [TF: 969-970].

" . . . Unter den Aufführungen Beethovenscher Werke in diesen letzten Monaten erwähnen wir noch die der Eroica (27. Nov.), der Chorphantasie, des Es-Dur- Trios (11. Dezember, von A. Halm gespielt), endlich des Septetts, welches wieder großen Enthusiasmus erregte; in demselben spielten außer Schuppanzigh, Weiß und Linke der Kontrabassist Metzer, der Klarinettist Friedlowsky, der Hornist Herbst und der Fagottist Mittag" [TDR V: 254-255].

Eine Erwähnung dieser Aufführung finden wir auch in Solomon, Beethoven, S. 270. Der Autor erwähnt auf S. 293 auch noch, dass die Originalskizzen zu Op. 20 auf einer Versteigerung von Beethovens Nachlass am 5. November 1827 18 Gulden erbrachten.   Mit dieser über Beethovens Lebzeiten hinausgehenden Einzelheit können wir diesen Abschnitt beenden.

 
 
ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSS

Keiner "unserer" modernen Autoren geht in seinem Beethoven-Buch musikkritisch auf das Septett ein.   Kinderman liefert uns auf S. 44 seines Werks allenfalls eine kurze Beschreibung desselben:

"The most famous of all Beethoven's chamber works featuring winds is the Septet in E-flat, op. 20, from 1800.  This attractive six-movement divertimento is scored for bassoon, clarinet, horn, string trio, and double bass.   Its extreme popularity irked Beethoven, who did not regard his pieces for wind ensemble too seriously; . . . after 1800 the evolution of his resourceful writing for winds can be followed in his greater symphonic works" [Kinderman: 44; --

-- Kinderman bezieht sich hier auf Beethovens berühmtestes kammermusikalisches Werk für Bläser, das Es-Dur-Septett, Op. 20 und zählt die Instrumente auf, für die er es geschrieben hatte: das Fagott, die Klarinette, das Horn, ein Streichertrio und den Kontrabass und erwähnt, dass sich der Komponist &uuml;ber dessen Beliebtheit sehr geärgert hatte. Er habe diese Werkgattung selbst nicht sehr ernst genommen. Bezeichnend ist Kindermans abschließende Bemerkung, dass sich Beethovens Können in Bezug auf Blasinstrumente in seinen größeren Symphonien finden lasse].

Auch Lewis Lockwood verweist im Zusammenhang mit Op. 20 auf S. 148 nur auf Beethovens "ambition to please" [Absicht, damit gefallen zu wollen] und auf S. 170 darauf, dass es "written for worldly success", also für den weltlichen Erfolg komponiert worden sei. Ohne weitere Worte darüber zu verlieren, überlassen wir Sie gerne ihren eigenen Gedanken dazu.   Es fanden und finden sich jedoch immer wieder Musikfreunde, die ihre Freude daran hatten und haben.

 
BIBLIOGRAPHIE

Cooper, Barry: Beethoven. (Master Musician Series, edited by Stanley Sadie). Oxford: Oxford University Press, 2000.

Kinderman, William. Beethoven. Oxford + New York, Oxford University Press, 1997.

Lockwood, Lewis. Beethoven. The Music and the Life. New York, London, W.W. Norton & Company, 2002.

Ludwig van Beethoven. Briefwechsel Gesamtausgabe. [6 Bände] Im Auftrag des Beethoven-Hauses Bonn herausgegeben von Sieghard Brandenburg. München: 1996, G. Henle Verlag.

Solomon, Maynard. Beethoven. New York: Schirmer Books, Paperback Edition 1979.

Thayer's Life of Beethoven, edited by Elliott Forbes. Princeton, New Jersey Princeton University Press, 1964.

Thayer, Alexander Wheelock, Beethovens Leben, 1. - 5. Band, Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1907-1917.