WELLINGTONS SCHLACHT
UND SIEG BEI VITTORIA, OP. 91
(DIE SO GENANNTE SCHLACHTSYMPHONIE)





EINLEITUNG



Während zeitgenössische Kommentatoren Beethovens ernste Bemühungen der Komposition dieses Werks, das zunächst anlässlich zweier Konzerte zu Gunsten der verwundeten österreichischen und bayerischen Soldaten der Schlacht von Hanau aufgeführt wurde, ernst genommen und seinen Bemühungen im allgemeinen zugestimmt haben mögen, scheint Beethovens Ruf später aufgrund der Komposition dieses Gelegenheitswerks gelitten zu haben.   Obwohl wir bei dem Versuch, eine umfassende Entstehungsgeschichte dieses Werks zu erarbeiten,  die Zeitfolge aller Ereignisse erkennen mögen, hilft uns diese rein visuelle Zusammenstellung der Zeitfolge allein nicht, verstehen zu lernen, welche Rolle dieses Werk zu Beginn der Verlangsamung von Beethovens Schaffensdrang im Übergang von seiner zweitern zu seiner dritten Stilperiode gespielt haben mag.   Falls wir jedoch zuerst das zeitliche Umfeld betrachten, aus dem dieses Werk hervortreten sollte [Beethovens Lebensumstände während dieser Zeit und den Beginn seiner Bekanntschaft mit Johann Nepomuk Mälzel, seinem Mitstreiter in diesem Unternehmen], uns dann der bereits erwähnten Zeitfolge zuwenden und diese schließlich im Licht der auf sie zuführenden Umstände und auf die unmittelbar aus ihr entstehenden Folgen betrachten, können wir uns das Werk danach vielleicht unter neuen, vertieften Gesichtspunkten anhören.


BEETHOVEN


Das Ende des Jahres 1811 und die erste Hälfte des Jahres 1812 sahen die Fertigstellung der Achten Symphonie.   Beethovens berümter Brief vom 6. und 7. Juli 1812 lenkt unsere Aufmerksamskeit auf seine Begegnung mit seiner Unsterblichen Geliebten, deren Identität jedoch nicht preisgegeben wird.   Während Beethoven, als er diesen Brief schrieb, in Teplitz in Böhmen eingetroffen war, hatte er dort Gelegenheit, wieder einen interessanten Künstlerkreis anzutreffen, der in diesem Jahr auch Goethe mit einschließen sollte.

Beethoven verließ Böhmen wohl Ende September, um vor seiner Rückkehr nach Wien für kurze Zeit seinen Bruder [Nikolaus] Johann in Linz zu besuchen.   Als er dort um den  5. Oktober eingetroffen war, mag er er sich wohl bereits, bewusst und unbewusst, damit befasst haben, den Trennungsschmerz um den Verlust seiner Unsterblichen Geliebten zu verarbeiten.   Vielleicht kann Beethovens Verhalten in Bezug auf seine Kritik an Johanns Zusammenleben mit seiner späteren Gattin Therese als Beweis für den Beginn des heftigen Abschnitts deser Phase dienen.

Solomons Meinung nach hatte Beethoven den Trennungsschmerz um den Verlust seiner Unsterblichen Geliebten auch 1813 noch nicht überwunden.   Wie wir bereits aus unserer Online- Biografie wissen, sollte dazu in diesem Jahr noch die Sorge um seinem zum ersten Mal ernstlich an Tuberkulose erkrankten Bruder Caspar Carl kommmen.   Angesichts der ernsten Lage setzte Caspar Carl sogar ein Testament auf, in dem er seinen Bruder Ludwig zum alleinigen Vormund seines Sohnes Carl bestimmte.    Obwohl Beethoven noch eine nicht ganz zwei Jahre dauernde Gnadenfrist zufiel, warf dieses Ereignis bereits dunkle Schatten auf den Tod Caspar Carls und die sich daraus ergebenden Ereignisse voraus.   Auch diese Gnadenfrist brachte Beethoven nicht nur Erfreuliches.   Wenn wir Thayer-Forbes' Bericht folgen, mögen sich in diesem Jahr Beethovens Trennungsschmerz und seine finanziellen Sorgen um Caspar Carl so ausgewirkt haben, dass ihn das Ehepaar Streicher bei seinem Besuch der Sommerfrische des Komponisten in solch einem vernachlässigten Zustand vorfand, dass Frau Streicher es sich zur Aufgabe machte, Beethovens Garderobe auszubessern und dass das Paar ihm dringend dazu riet, besser auf sich zu achten und auch für die Zukunft Geld beiseite zu legen.







JOHANN NEPOMUK MÄLZEL 

(* Regensburg, 15. Aug.1772; + zur See, 21. Jul. 1838)


war der Sohn eines Regensburger Orgelbauers, erhielt eine gründliche Musikausbildung und zog, wie Beethoven, 1792 nach Wien, um dort als Klavierspieler- und Lehrer zu arbeiten.   Neben seinem musikalischen Talent hatte er jedoch auch ein großes Talent als Mechaniker, so dass er, wie Thayer-Forbes [S. 543] berichtet, die Musik beiseite legte und sich auf das Handwerk konzentrierte.   1807 verkaufte er in Paris sein erstes Panharmonicon.   TF bereitet weiter, dass er vom Wiener Kaiserhof angestellt wurde, um an einem mechanischen Projekt zu arbeiten.   Zu diesem Zweck wurden ihm im Jahr 1809 in Schönbrunn Räume zur Verfügung gestellt.   Napoleons Invasion Wiens im Frühjahr und Sommer dieses Jahres zwang ihn jedoch, sich nach einer anderen Werkstatt umzusehen.   Er fand Zuflucht in Steins Klavierbauwerkstatt. [Stein war der Bruder Nanette Streichers]. 1812 arbeitete Mälzel dort an einem "neuen und verbesserten" Panharmonicon.

Nach diesem Blick auf Mälzels Werdegang bis zur Zeit seiner Zusammenarbeit mit Beethoven können wir uns nun dem Thema

 

BEETHOVEN, MÄLZEL UND DIE 

ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DIESES WERKS

zuwenden.


Zu der Zeit, in der Beethoven Mälzel kennenlernte, arbeitete dieser am Bau eines Chronometers zur genauen Messung des musikalischen Zeittakts.   In einem Artikel vom 15. Oktober 1813 in der "Wiener Vaterländischen Zeitung" wird über dessen erfolgreiche Entwicklung berichtet und darüber, dass Antonio Salieri diesen an Haydns Schöpfung ausprobiert hatte. 

Jedoch war dieser Chronometer nicht das Gerät, das später als Mälzels Metronom bekannt werden sollte und das er 1817 fertig entwickelt hatte. 

Im Winter 1812/13 eröffnete Maelzel sein "Kunstkabinett", eine öffentliche Ausstellung von Marmor- und Bronzebüsten, Gemälden und verschiedenen Gegenständen wissenschaftlicher Art und von Kuriosa, alles Beiträge verschiedener Künstler und Gestalter. Darunter befand sich laut TF eine große elektrische Maschine mit einem Apparat zur öffentlichen Experimentation, aber die Hauptattraktion waren Mälzels eigene mechanische Trompete und das neue Panharmonicon [TF: 559]. 

Wie funktionierte es? Es verband laut TF alle Instrumente einer zeitgenössischen Militärkapelle mit einem gewaltigen Blasebalg, und alles war in einem Gerät zusammen eingebaut.   Die automatische Bewegung[skraft] funktionierte so, dass die Tasten von Kontaktierstiften in einem Drehzylinder in Bewegung gesetzt wurden, wie bei einer Handorgel.   Für jede Komposition gab es einen eigenen Zylinder. 

TF berichtet weiter, dass Beethoven Mälzel bei Stein kennenlernte und bald freundschaftlich mit ihm verkehrte.   Dass Beethovens Gehör sich nach 1812 mehr und mehr verschlechterte, ist genauso bekannt wie die Tatsache, dass Mälzel ihm mehrere sehr brauchbare Hörgeräte baute.   Eines davon soll Beethoven jahrelang, wohl bis 1817, benutzt haben. 

Während Mälzel sein neues Parnharmonicon im Winter 1812/13 in Wien ausgestellt hatte, mochte er wohl auch erwogen haben, ob er für eine Tournee mit diesem Gerät bereit sei.   Wie TF [S. 560] schreibt, hatte Mälzel dazu bereits ein Repertoire von Werken Händels, Haydns und Cherubinis; falls er jedoch noch eine neues, spektakuläres Werk von Beethoven hinzufügen könnte, könnte das die Zugkraft des Panharmonicons durch das Interesse des Publikums an diesem Komponisten noch steigern.   In diesem Zusammenhang, fährt TF fort, mag er bedacht haben, dass Militär- bzw. Schlachtenmusik bereits sehr beliebt war durch Werke wie Koczwaras "Grande Battaille" in D-Dur und seine "Battaille du Prague", Devennes "Schlacht von Gemappe", Neubauers Werk zur Schlacht von Martinestie, Janins zu der von Austerlitz und Fuchs's zu der von Jena, um nur einige zu nennen. 

Die Nachricht über Wellingtons Sieg bei Vittoria am 21. Juni 1813 hatte Wien wohl auch erreicht und mag Mälzel vielleicht dazu "inspiriert" haben, an Beethoven mit dieser neuen Idee heranzutreten, nämlich der, an den Geschmack der Engländer mit der Komposition einer "Schlachtsymphonie" zu appellieren; laut TF sei es auch Mälzels Idee gewesen, "God Save the King" und "Rule Britannia" mit einzuschließen. 

Wenn wir bedenken, dass, wie TF berichtet, Beethoven in diesem Sommer von den Streichers ermahnt wurde, Geld für die Zukunft beiseite zu legen und auch, dass er für die Zukunft die Notwendigkeit voraussah, sich nach dem möglichen Tod seines Bruders Caspar Carl um dessen Sohn Carl kümmern zu müssen, mag es vielleicht als "zeitlich ideal" erscheinen, dass sich ihm diese Gelegenheit der Zusammenarbeit mit Mälzel bot und als "Glücksfall", dass er in der Lage war, diese Gegenheit als eine günstige zu erkennen und beim Schopf zu packen.   Laut TF muss er sich sofort an die Arbeit gemacht haben.   Seine eigenen ersten Kommtentare dazu sind im Skizzenbuch zu diesem Werk widergespiegelt:

"Wellington's Victory Vittoria, only God save the King, but a great victory overture for Wellington" [Thayer 561; -- -- "Wellingtons Sieg Vittoria, nur God save the King, aber eine große Siegesouvertüre für Wellington],

und in seinem so genannten "Tagebuch" mit den folgenden Einträgen:

"I must show the English a little what a blessing there is in God save the King"; -- -- "Ich muss den Engländern zeigen, welch ein Segen in "God Save the King" ruht",

und vielleicht auch in

"It is certain that one writes most prettily when one writes for the public, also that one writes rapidly"; -- --"Es stimmt, dass man am hübschesten schreibt, wenn man für das Publikum schreibt, und auch, dass man schnell schreibt" [Thayer: 561].

Thayer berichtet auch über Ignaz Moscheles's Kommentar, dass Mälzels Beitrag nicht nur die Grundidee dieses Werks war, sondern dass er auch dessen Konzept entwickelt habe, als dieser geschrieben habe:

"all the drum-marches and the trumpet-flourishes of the French and English armies; gave the composer some hints how he should herald the English army by the tune of 'Rule Britannia', how he should introduce 'Malbrook' in a dismal strain, how he should depict the horror of the battle and arrange 'God save the King' with effects of representing the hurrahs of a multitude. Even the unhappy idea of converting the melody of 'God save the King' into a subject of a fugue in which movement, emanates from Maelzel. All this I saw in sketches and score, brought by Beethoven to Maelzel's workshop, then the only suitable place of reception he was provided with" (Thayer 561; -- 

-- "alle Trommelmärsche und die Trompetenstöße der englischen und französischen Heere gaben dem Komponisten einige Hinweise darauf, wie er das englische Heer mit der Melodie von "Rule Britannia" ankündigen sollte, und wie er "Malbrook" in einer traurigen Stimmung einführen sollte, wie er den Schrecken der Schlacht darstellen sollte und "God Save the King" durch die Jubelrufe der Menge arrangieren sollte.   Sogar die unglückliche Idee, die Melodie von "God Save the King" als Fuge zu bringen, stammte von Mälzel.   Ich sah dies alles in den Skizzen und in der Partitur, die Beethoven in Mälzels Werkstatt mitbrachte, was damals der einzig passende Ort für ihn war, Treffen anbzuhalten").

Moscheles's Bericht wurde laut TF durch Carl Stein, den Besitzer der Klavierbauwerkstatt, bestätigt.   Eine weitere "Bestätigung" ist vielleicht Beethovens eigene Handschrift auf der Kopie der Panharmonikumspartitur, [in der Artaria-Sammlung], "On Wellington's Victory at Vittoria, 1813, written for Hr. Maelzel by Ludwig van Beethoven" ["auf Wellingtons Sieg bei Vittoria, 1813, geschrieben für Hrn. Maelzel von Ludwig van Beethoven"].

Der tatsächliche Zeitrahmen von Beethovens und Mälzels Zusammenarbeit verlief wohl so, dass der Gesamtplan während Beethovens gelegentlichen Besuchen in Wien im August und September entwickelt wurde, und dass die Bearbeitung für das Panharmonicon im September stattfand, so dass das fertige Werk Anfang Oktober in Mälzels Händen war.

Wauml;hrend Mälzel ursprünglich vielleicht vorhatte, nur mit der Panharmoniconversion der Schlachtsymphonie durch Europa zu reisen, entwickelte er jedoch auch bald einen zusätzlichen Plan, um Geld für die Finanzierung der Reise zu organisieren, die ihn und Beethoven direkt nach England f&uum;hren sollte. Dazu sollten wir Thayer-Forbes zitieren:

"The problem now was, how to provide the necessary funds and give exhibitions at the principal cities on the way, involved little or no risk for Maelzel, as the experience of the next year proved, but to make the journey direct, with Beethoven for his companion, was impossible until in some manner a considerable sum of ready money could be provided"[TF: 563-564; -- -- Laut TF war das Problem nun, wie die Reise finanziert werden sollte und wie auf dem Weg zum Ziel in mehreren wichtigen Städten Ausstellungen zu geben seien, was laut TF für Mälzel kein oder nur ein geringes Risiko darstellte, wie seine Erfahrung des nächsten Jahres zeigen sollte, aber mit Beethoven als Reisegefährten sei es unmöglich gewesen, dies zu wagen, bis eine gewisse Summe Geldes bereit gelegen sei].

"The only recourse of the composer, except borrowing, was, of course, the production of the two new Symphonies, one of which had been copied for trial with small orchestra at the Archduke's, thus diminishing somewhat the expenses of a concert. It was five years since he had had a benefit, and therefore one full house might be counted on with reasonable certainty; but no concert of his had ever been repeated, and a single house would leave but a small margin of profit. Moreover, his fruitless efforts in the Spring to arrange an 'Akademie' were discouraging. Unless the new Symphonies could be produced without cost to himself, and the interest and subsequent concerts, no adequate fund for the journey could be gained; but if so great a sensation could in some manner be made as to secure this object, the fame it would precede and nobly herald them in London" (Thayer 563- 564; --

-- Laut TF gab es für Beethoven, außer sich Geld zu leihen, nur die Möglichkeit, zwei Symphonien zu schreiben, von der eine für ein kleines Orchester bei Erzherzog Rudolph kopiert worden war, so dass dadurch die Unkosten eines Konzerts etwas verringert werden konnten.   Seit seinem letzten Benefizkonzert seien fünf Jahre vergangen, und daher konnte er mit ziemlicher Sicherheit auf ein volles Haus rechnen.   Jedoch sei keines seiner Benefizkonzerte je wiederholt worden, und ein einziges Konzert würde wohl nur einen kleinen Gewinn bringen.   Zudem seien seine Versuche im Frühjahr dieses Jahres, eine "Akademie" zu arrangieren, entmutigend gewesen.   Falls die Symphonien nicht ohne Unkosten für ihn produziert werden konnten und kein Interesse an weiteren Konzerten entstand, konnten wohl keine Reisegelder erworben werden; falls jedoch durch diese Konzerte eine solche Sensation geschaffen worden wäre, dass dieses Vorhaben dadurch gesichert sei, wäre ihnen der Ruhm nach London vorausgeeilt).

Kurz gesagt zielte Mälzel nun darauf, die mögliche Zuschauerzahl eines solchen Konzerts dadurch zu erhöhen, dass ein Werk aufgeführt würde, das dem Geschmack der Massen entgegenkam, eben die "Schlachtsymphonie." Dieses sollte jedoch am besten von einem vollen Orchester anstatt mit Klavierbegleitung dargeboten werden.

Mälzel sah sich nach der passenden Gelegenheit um, bei der die Konzertversion vorgestellt werden konnte.    Zwei Darbietungen von Händels "Timotheus" zu Gunsten der Witwen und Waisen österreichischer und bayerischer Soldaten, die in der letzten Kampagne gegen Napoleon gefallen waren, gaben ihm laut TF die Idee, etwas ähnliches zu versuchen. Beethoven war mit Mälzels Plan einverstanden, und Mälzel gab ihm die Panharmoniconpartitur zurück, so dass dieser seiner "Erfindungskraft" an diesem Werk noch einmal freien Lauf lassen konnte.

Wauml;hrend Beethoven an der Orchesterversion arbeitete, traf Mälzel laut TF Vorbereitungen für das Konzert: die Kombination von Mälzels Überredungskunst, die Tatsache, dass es sich um ein Benefixkonzert handelte und die Neugierde des Publikums, Beethovens neuestes Werk zu hören, brachte laut TF viele Kräfte zusammen, diesem Unternehmen auf die Beine zu helfen, darunter viele führende Wiener Musiker und sogar einige, die sich nur vorübergehend in Wien aufhielten, wie z.B. Dragonetti, Meyerbeer und der Fagottspieler Romberg.

Beethoven, so Thayer-Forbes, half auch bei der Verwirklichung des Projekts mit. Er schrieb an Erzherzog Rudolph und bat ihn darum, Baron Schweigers Hilfe in der Verhandlung mit dem Rektor der Universität zu erlangen und dadurch den Universitätssaal zu sichern. Dies wurde für den 8. Dezember bewilligt.


GESCHICHTE DER ERSTEN AUFFÜHRUNGEN


In Bezug auf die Berichte zu den Proben verweisen wir Sie auf unsere Entstehungsgeschichte zur Siebten Symphonie, da sie sich mit Begebenheiten befasst, die dieses Werk betreffen.

Zum Konzertprogramm berichtet Thayer-Forbes:

"Mälzels first placards announcing the concert spoke of the battle-piece as his property; but Beethoven objecting to this, others were substituted in which it was said to have been composed "out of friendship for his visit to London."  No hint was conveyed of Mälzels share in the composition.

The programme was:

I.  "An entirely new Symphony," by Beethoven (the Seventh, in  A major), 

II.  Two marches played by Mälzels Mechanical Trumpeter, with full orchestral accompaniment--the one by Dussek, the other by Pleyel.

III.  Wellington's Victory" [Thayer-Forbes:  566; --

-- Laut Thayer-Forbes erschien auf  Mälzels ersten, das Konzert ankündigenden Plakaten die Schlachtsymphonie als sein Eigentum.   Beethoven habe sich dagegen jedoch gewehrt, so dass andere Plakate erschienen, auf denen stand, dass die Schlachtsymphonie "aus Freundschaft für seinen Londonbesuch" geschrieben worden sei.   Ein Hinweis auf Mälzels Anteil an diesem Werk sei nicht mehr enthalten gewesen.  Das Programm habe aus dem folgenden bestanden:

1. »Eine ganz neue Sinfonie«, die 7te in A dur, von Beethoven.
2. Zwei Märsche, gespielt von Mälzels mechanischem Trompeter, mit vollständiger Orchesterbegleitung, der eine von  Dussek, der andere von Pleyel.
3. Wellingtons Sieg"].


Wie TF [S. 566] weiter berichtet, war der Erfolg der Darbietung so groß, dass das Konzert am Sonntag, dem 12. Dezember mittags zu den selben Preisen, nämlich 5 und 10 Gulden, wiederholt worden sei.  Der Reingewinn aus beiden Konzerten sei 4006 Gulden gewesen, der "ehrfurchtsvoll" dem "hohen Kriegs-Präsidio" für die angegebenen Zwecke überreicht worden sei, wie die Wiener Zeitung am 20. Dezember berichtet habe.   Die Wiener Allg. Mus. Zeit., die Leipziger AMZ und der Beobachter hätten sehr lobende Berichte zu diesen Konzerten enthalten, aber auch lebhafte Beschreibungen der Wirkung der Musik auf die Zuhörer, deren Applaus fast bis zur Extase ging.

Wir freuen uns, dass wir Ihnen hier einen Bericht aus der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitschrift vom Januar 1814 bieten koennen:

 "NACHRICHTEN

    Wien, d. 7ten Jan.  Uebersicht des Monats December.

    . . .

    Concerte.    Einen der interessantesten und höchsten Genüsse erhielten die Freunde der Tonkunst am 8ten und 12ten durch Veranstaltung eines Concerts im großen Saale des neuen Universitäts-Gebäudes.  Der Unternehmer war der rühmlichst bekannte k k. Hofmechaniker, Hr. Mälzel, und die Einnahme (das Billet zu 10, und 5 Fl. W.W.) zum Vortheile, der, unter dem Oberbefehl des Hrn. Generals der Cavallerie, Grafen von Wrede, in der Schlacht bey Hanau invalid gewordenen kaiserlich-österreichischen und königlich-bayerschen Krieger bestimmt.  Die dabey vorgekommenen Musikstücke waren:  1) Eine ganz neue Symphonie (A dur) von Hrn. L. van Beethoven.  2) Zwey Märsche für die Trompete von Dussek und Pleyel, mit Begleitung des ganzen Orchesters, vorgetragen von dem bekannten mechanischen Feldtrompeter des Hrn. Mälzel.  5) Eine grosse Instrumental-Composition von Hrn. van Beethoven, benannt:  Wellingtons Sieg in der Schlacht bey Vittoria, wovon der erste Theil die Schlacht, der zweyte die Sieges-Symphonie ausmacht.  Längst im In- und Auslande als einer der größten Instrumental-Componisten geehrt, feyerte bey diesen Ausfuhrungen Hr. v. B. seinen Triumph.  Ein zahlreiches Orchester, durchaus mit den ersten und vorzüglichsten hiesigen Tonkünstlern besetzt, hatte sich wirklich aus patriotischem Eifer und innigem Dankgefühl für den gesegenten Erfolg der allgemeinen Anstrengungen Deutschlands in dem gegenwärtigen Kriege zur Mitwirkung ohne Entschädigung vereinigt, und gewährte, unter der Leitung des Componisten, durch sein präcises Zusammenwirken ein allgemeines Vergnägen, das sich bis zum Enthusasmus steigerte.  . . .  Was sodann die Schlacht betrifft -- : will man nun einmal sie durch Töne der Musik auszudrücken versuchen, so wird man wenigstens es eben auf die Art machen müssen, wie es hier geschehen.  Einmal in die Idee eingegangen, erstaunt man freudig über den Reichthum, und noch mehr über die genialische Verwendung der Kunstmittel zu jenem Zweck.  Der Effect, ja selbst die recht eigentliche Täuschung ist ganz außerordentlich; und es lässt sich wol ohne alles Bedenken behaupten, es existire gar nichts im Gebiete der malenden Tonkunst, das diesem Werke gleich käme.  Dass aber des Componisten reicher, herrlicher Geist sich auch einmal zu solch einem Werke bestimmte, findet noch überdies seine Rechtfertigungen -- bedarf es anders einer solchen -- darin, dass Hr. Mälzel, Hrn. v. B.s Freund im Begriff ist, eine Kunstreise nach London zu machen, zu welchem Zweck und fuer welches Publicum denn zunaechst dies Werk bestimmt ist.  In dieser Hinsicht sind auch noch die Lieblings-Nationalgesänge der Britten:  Rule Britannia, Marlborough und God save the King, theils vor, theils nach dem lärmenden Schlachtgetöse, und mit grossem Glück angebracht.  Übrigens brauchen wir wol kaum hinzuzusetzen, dass der Laye in Absicht auf Musik dies Werk ganz alarmirt anstaunte und gar nicht wusste, wie ihm geschah; dass aber der Kunstkenner die vorangegangene Symphonie bey weitem als ein edleres, gediegeneres Kunstwerk demselben vorzog. . . . " [AMZ: Jan. 1814, Spalte 70-71].

 

Schindler nannte dieses Ereignis 'one of the most important times in the master's life when, with the exception of a few professional musicians, all the voices that up to this moment had been at odds finally united in unanimous acclaim" (Schindler 167, also eine  der wichtigsten Zeiten im Leben des Meisters, als, mit Ausnahme einiger Berufsmusiker, alle bisher uneinigen Stimmen sich zu einem einstimmigen Lob vereinigten), und "It took a work like the Battle symphony to unify the conflicting opinions and thus stop the mouths of the opponents of every type" (Schindler 168, also dass es einem Werk wie der Schlachtsymphonie zufiel, die entgegengesetzten Meinungen zu vereinigen und die Münder der Gegner jeder Art zu stopfen).

Hier ist es gewiss angebracht, die Rezension der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung [aus dem Jahr 1816] zu 'solch' einem Werk wiederzugeben:

                                                                 "ALLGEMEINE MUSIKALISCHE ZEITUNG

Den 10ten April.                                                                        No. 15                                                                            1816.

R E C E N S I O N E N

Wellington's Sieg, oder, die Schlacht bey Vittoria, in Musik gesetzt, und Sr. königl. Hoheit, dem Prinzen Regenten von England -- zugeeignet.  Vollständige Partitur.  (Und die mannigfaltigen Ausgaben, wie sie in der Folge angeführt werden.)  Wien, bei S.A. Steiner und Comp., so wie auch in den vorzüglichsten Musikhandlungen Deutschlands, der Schweiz und Italiens. --

Der ausgebreitete Ruf, welchen dieses Werk durch wiederholte und gelungende Aufführungen in Wien und London erhalten, hat lange schon die Freunde der Tonkunst und besonders des beethovenschen Genius auf dessen Erscheinung begierig gemacht, und der achtungswürdige Verleger, welcher sieben verschiedene Ausgaben davon veranstaltet hat -- nämlich für das ganze Orchester, als Quintett für Bogeninstrumente, als Trio für Pianoforte, Violin und Violoncell, für Pianoforte zu vier--, so wie auch zu zwey Händen, und eingerichtet für eine ganz vollständige türkische Musik, -- verdient für dieses kostspielige Unternehmen, wodurch er den Ruhm des trefflichen Tonsetzers zu vermehren und die Wünsche aller Musikliebhaber zu befriedigen sich bemühte, den Dank der Mit- und Nachwelt.

    Die Partitur bewährt von neuem B.s vielseitiges Talent, seine originellen Ideen und Ansichten, und die ihm, in ihrer Art, so ganz eigene, alles Alltägliche verschmähende, kunstreiche Durchführung; alles das noch unerwähnt, was eine reiche Erfahrung und bewundernswürdige Geübtheit den Componisten von Geist lehrt. -- Das Werk zerfällt in zwey Theile.  Im ersten wird die Schlacht geschlagen, im zweyten der Sieg gefeyert.  Über die Production, die Stellung der Instrumente u. dgl. hat der Verf. in deutscher und französischer Sprache Bemerkungen vordrucken lassen, welche dem Director zur Richtschnur dienen sollen.

    Die Einleitung des Werks selbst machen, auf englischer Seite, unsichtbare Trommeln, mit welchen sich der Appell mehrerer Trompeten in Es, anfangs sehr entfernt, dann immer näher rueckend, vereinigt.  Leise fällt sodann im Orchester der Marsch (Rule Britannia) ein, (2/4 Es dur) gespielt von der ersten Harmonie, nebst Janitscharenmusik und einer obligaten Principal - Trompete, indess die Trommeln immer im Crescendo fortwirbeln, und der Schluss durch den Eintritt der Saiteninstrumente in den letzten acht Takten kräftig verstärkt wird.  In derselben Weise ertönen nun auf französischer Seite die fernen Trommeln und Trompetenstöße in C, worauf die zweyte Harmonie den Marsch a la Marlborough (6/8 C dur) in anwachsender Stärke durchspielt, welcher dann von dem ganzen Orchester wiederholt wird.  Wie sehr B. die ausgefahrnen Wege hasst, und oft durch einen einzigen Federzug selbst einen triviallen Gassenhauer gewisseermaßen zu veredeln, wenigstens interessanter zu machen versteht, möge folgende Stelle des zweiten Theils beweisen: [Notenbeispiel]  Nach diesem Marsch erschallt von den Franzosen die Aufforderung zur Schlacht durch den Trompetenruf in C, welcher von den Engländern mit Es-Trompeten erwidert, und sonach die Schlacht angenommen wird.  Unmittelbar hierauf fällt das volle Orchester --- nämlich alle Saiteninstrumente, die doppelte Harmonie sammt Piccoloflöten, 4 Hörnern, Es und C, 4 Trompeten, D, Es, und C, 3 Posaunen, Trommeln, und ungesehen, auf entgegengesetzten Seiten noch mehrere Trompeten in Es und C, 2 große Kanonenmaschinen, und 2 sogenannte Ratschen -- in der harten Tonart H, Allegro, C Takt, mit größter Stärke ein, und modulirt duch folgende Accorde nach C moll, und dann nach C dur: [Notenbeispiel].  Nun verändert sich die Taktart in 3/8 meno Allegro, und unter dem Schmettern der C-Trompeten, nach einer aufsteigenden Bewegung durch 16 Takte, ergreifen die Violinen folgende Figur: [Notenbeispiel] wozu die Bässe entgegenarbeiten, die zweyten Violinen in vollen Accorden den Niederstrich, die Blasinstrumente den 2ten Aufstrich angeben, indem in der Folge derselbe Gedanke mit diesem wechselt: [Notenbeispiel] welche beyde mittelst der Umkehrung bald in der Ober-, bald in der Unterstimme vorkommen.   Nach mannigfaltigen Modulationen, unter dem Schlachtruf der Trompeten beyder Heere tritt nun der Sturmmarsch, Allegro assai, mit einem kräftigen Unisono, verstärkt durch alle Trommeln, ein: [Notenbeispiel] u.s.f. steigt im schneller werdenden Zeitmaß aufwärts nach A dur, B dur, H dur, und Es dur, in welcher Tonart dann folgendes Presto anfängt: [Notenbeispiel], welches Thema von den Bässen in der Unterquinte, von den Violinen in der Oberquarte beantwortet wird, das in der Folge zertheilt und in die Enge geführt erscheint, wozu die Blasinstrumente folgende Figur ausführen, indess die Blechinstrumente kräftig Pfundnoten angeben: [Notenbeispiel].  Es ist unmöglich, das Sonderbare, Fremdartige, ganz Eigenthümliche dieses sicher noch nie versuchten Instrumentenspiels zu beschreiben; auch im Lesen erhält man keinen recht deutlichen Begriff davon: man muss es schlechterdings selbst gehört haben, dies undbändige Treiben und Toben, dies von wüthenden Orkanen gepeitschte Tonmeer, dies verworrene, und doch in Ein kolossales Bild zusammenfallende Schlachtgewühl, mit all seinem Winseln und Heulen -- um mit der regen Phantasie des energischen Componisten geistig gleichen Schritt zu halten.  Dieser Satz, nachdem er mehrere Dur-Scalen, allmählig schwächer werdend, durchwandelt hat, löst sich in ein kurzes Andante von 17 Takten (6/8 H moll) auf, in welcher düstern Tonart, und gewiss sehr sinnvoll, Reminiscenzen aus dem Anfangs so fröhlichen Marsch a la Marlborough angebracht sind, und womit im Lauf vernehmlichen pizzicato, die erste Abtheilung beschließt, oder eigentlich verlischt.

    Schon beym Beginnen des Kampfes (Allegro, H dur) fangen die Kanonenschüsse sowol, als das Pelotonfeuer (die Ratschen) auf beyden Seiten an, und fallen abwechselnd, bald auf gute, bald auf schlechte Takttheile.  Beym Sturmmarsch hat das franz.  Klein-Gewehrfeuer bereits aufgehört; im letzten Presto verstummen auch nach und nach die franz. Kanonen, und während des kläglichen Schluss-Andante hört man nur noch den dumpfen Donner-Hall des englischen Geschützes aus weiter Ferne herüber tönen, indem die siegreichen Heere den geschlagenen Feind verfolgen.  Es wäre eben bey solch einem Werke, dessen Existenz und ganze Absicht die Befugnis der mus. Malerey, in dem bekannten, gewöhnlichen Sinne des Worts, voraussetzt, unnütz, über diese Begebnis, deren Gränzen u. dgl. im Allgemeinen hiüber und herüber zu reden:  es ist genug, zu sagen:  wie es nun dasteht, kann es unmöglich der Natur getreuer ersonnen werden.

    Die zweyte Abtheilung, Sieges-Symphonie überschrieben, eröffnet eine Intrada in D dur von allen Saiteninstrumenten, allen Trompeten, und Pauken, nach welcher das ganze Orchester mit einem prächtigen, pomphaften Triumphmarsch in derselben Tonart einfaellt.  In der Mitte desselben beurkundet folgende interessante Stelle den originellen Meister; [Notenbeispiel].  Beym Schlusse dieses Satzes halten die Blechinstrumente 2 Takte lang die Tonica aus, dann tritt ein Andante grazioso, B dur 3/4, ein, in welchem zuerst die Saiten-, dann die Blasinstrumente den Grundton angeben, worauf die letzteren, pizzicato von den erstern accompagnirt; das einfache Volkslied:  God save the King, als Dankgebet leise vortragen, und durch folgenden inganno die Wiederholung des vorigen Siegesmarsches überraschend vorbereiten: [Notenbeispiel] u.s.w.  Tutti.   Bey dieser Wiederholung halten am Ende die Klarinetten und Hörner 2 Takte hindurch die Dominante aus, worauf wieder in derselben Tonart, D dur, obige Volksmelodie beginnt, wo dann immer der zweyte Takt von dem ganzen Orchester fortissimo, ausgeführt wird, und der Schluss auf folgende Weise das letzte Tempo einleitet: [Notenbeispiel].   In diesem Finale nun ergreifen die 2ten Violinen pianissimo nur nur a due dieselbe Nationalmelodie, wozu die primi folgenden Gegensatz angeben: [Notenbeispiel].  Dieses Thema wird nun, abwechselnd als dux und comes, in allen Stimmen frey durchfugirt; allmählig treten mehrere Instrumente in anwachsender Stärke, nach 70 Takten endlich auch Janitscharenmusik ein; und nachdem die Grundmelodie noch einmal pianissimo per augmentationem in dem Quartett mit fremdartigen Wendungen angebracht worden, schließt das Ganze, wie mit einem siegestrunkenen, ausgelassenen Volksjubel.

    Schreiber, dieses ist weit entfernt von der Einbildung, in dieser gedrängten Anzeige alle Eigenthümlichkeiten und Schönheiten dieses so überreich complicitren Werkes bemerkbar gemacht zu haben, und bescheidet sich gern, einem Andern Platz zu machen, der vielleicht in der Folge seine gründlichen Ansichten in diesen Blättern niederlegen will.   Wenn es ihm, gleich jetzt, da das Werk neu ausgegeben worden, nur gelungen ist, den zahlreichen Verehrern B's. einen kleinen Vorschmack des zu erwartenden Genusses zu geben, und dem grossen Meister öffentlich zuerst einen, ihm nicht gleichgültigen Dank darzubringen:  so hat er wenigstens den näheren Zweck seines Aufsatzes vollkommen erreicht.

    Dass in der Ausführung dieses Tongemäldes gar manche Schwierigkeiten zu besiegen, dass auch die scheinbar unbedeutenden Partien desselben mit sichern Männern zu besetzen sind u. dgl. m., das erwartet man schon nach dieser Anzeige.  Indes, guter Wille und Gemeinsinn können vieles bewirken, und auch mit geringern Mitteln an kleinern Orten ist die Production im verjüngten Maassstab moeglich, wobey jedoch die Winke des Verfassers, vorzüglich auch über die Stellung der Instrumente, und über die Tempi, wohl zu beherzigen sind.

   Die Klavier-Auszüge für 2 und 4 Hände, unter der Leitung des Componisten verfertigt, verlangen tüchtige und geübte Spieler, können aber freylich, so wie auch die andern Bearbeitungen für wenige Instrumente, nur den Schattenriss eines Ganzen geben, welches auf die Eigenthümlichkeit aller Instrumente, und auf einen grossen Totaleffect berechnet ist.

    Der Stich ist gut, auch, ein Paar leicht zu verbessernde Fehler abgerechnet, correkt; nur wäre zu wünschen, dass alle Exemplare gleich rein abgedruckt würden, und dieser erste Versuch den Erwartungen des thätigen Verlegers so sehr entspräche, dass er seine Zusage, rücksichtlich der Herausgabe der zwey letzten Pracht-Symphonien dieses Meisters (in A und F) ja recht bald erfüllen möchte" [AMZ, April 1816, Spalte 241-250].

Wie TF [S. 566] berichtet, entwarf Beethoven nach dem Konzert die folgende Danksagung an alle beteiligten Musiker zur Veröffentlichung durch die Presse vor, deren Originaltext wir jedoch "TDR" entnehmen::  

"(Für das Intelligenz-Blatt der Wiener Zeitung.)

»Ich halte es für meine Pflicht, allen den verehrten mitwirkenden Gliedern der am 8. u. 12. Dec. gegebenen Akademie, zum Besten der in der Schlacht bei Hanau invalid gewordenen Kais. öfter. u. Kgl. bayer'schen Krieger, für ihren, bei einem so erhabenen Zweck dargelegten Eifer zu danken.  Es war ein seltener Verein vorzüglicher Tonkünstler, worin ein jeder einzig durch den Gedanken begeistert, mit seiner Kunst auch etwas zum Nutzen des Vaterlandes beitragen zu können, ohne alle Rangordnung auch auf untergeordneten Plätzen, zur vortrefflichen Ausführung des Ganzen mitwirkte.  Wenn Herr Schuppanzigh an der Spitze der ersten Violine, und durch seinen feurigen, ausdrucksvollen Vortrag das Orchester mit sich fortriß, so scheute sich ein Hr. Ober-Capellmeister Salieri nicht, den Takt der Trommeln und Canonaden zu geben; Hr. Spohr und Hr. Mayseder, jeder durch seine Kunst der obersten Leitung würdig, wirkten an der zweiten und dritten Stelle mit, und Hr. Siboni und Giuliani standen gleichfalls an untergeordneten Plätzen.  Mir fiel nur darum die Leitung des Ganzen zu, weil die Musik von meiner Composition war; wäre sie von einem andern gewesen, so würde ich mich eben so gern, wie Hr. Hummel15, an die große Trommel gestellt haben, da uns Alle nichts als das reine Gefühl der Vaterlandsliebe und des freudigen Opfers unserer Kräfte für diejenigen, die uns so viel geopfert haben, erfüllte.  Den vorzüglichsten Dank verdient indessen Hr. Mälzel, insofern er als Unternehmer die erste Idee dieser Akademie faßte, und ihm nachher durch die nöthige Einleitung, Besorgung und Anordnung der mühsamste Theil des Ganzen zufiel. Ich muß ihm noch insbesondere danken, weil er mir durch diese veranstaltete Akademie Gelegenheit gab, durch die Composition, einzig für diesen gemeinnützigen Zweck verfertigt und ihm unentgeltlich üb ergeben, den schon lange gehegten sehnlichen Wunsch erfüllt zu sehen, unter den gegenwärtigen Zeitumständen auch eine größere Arbeit von mir auf den Altar des Vaterlandes niederlegen zu können.

Ludwig van Beethoven.«"  [TDR, Bd. 3, S. 397].

TF [S. 567] verweist darauf, dass diese Danksagung jedoch nicht veröffentlicht wurde.  Aus der Zeit zwischen dem 12. und 20. Dezember enthält die Henle-Gesamtausgabe die folgenden Zeilen Beethovens an einen Zeitungsredakteur in Wien:

                                                                                        "Wien, zwischen dem 12. und 20. Dezember 1813][1]

Euer Wohlgebohrn!

    Ich ersuche sie hiermit von Hr. Mälzel, was er ihnen angiebt, nichts eher einrücken zu lassen, bis ich selbst mit ihm zu ihnen komme -- da schon mehreres hervorgekommen in den Blättern, was allen unangenehm ist, die dazu beygetragen, denn bey einer so schönen und heiligen Sache ist keiner der erste und keiner der lezte, sondern alle sind gleich, ich wuensche daher, dass sie die Gefälligkeit haben, nichts eher einrücken zu lassen, als bis ich mit ihnen die Ehre gehabt zu sprechen, welches zwischen heute und Morgen unfehlbar geschehn wird. --

Euer Wohlgebohrn ergebner Diener

                                                                                                              ludwig van Beethowen"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 2, Brief Nr. 680, S. 379-384; Original:  Hamburg, Staats- und Universitäts-Biblithek, Campe-Sammlung 15; zu [1]: verweist darauf, dass der Adressat vielleicht Konrad Dominik Bartsch, der von 1811 bis 1817 als Redakteur der Wiener Zeitung tätig war, ist.  Laut GA erschien in dieser Zeitung am 20.12.1813 ein ausführlicher Bericht über die beiden Wohltätigkeitskonzerte vom 8. und 12. Dezember, auf den der vorlegende Brief zu beziehen sei; zu [2]: verweist darauf, dass der Brief nach den beiden Wohltaetigkeitskonzerten vom 8. und 12.12. und vor dem Bericht der Wiener Zeitung vom 20.12.1813 geschrieben wurde; Einzelheiten S. 384 entnommen]. 

TF nennt als Grund für die Nichtveröffentlichung der Danksagung den sich entwickelnden Streit zwischen Beethoven und Mälzel.  Beethovens obige Zeilen an den Redakteur der Wiener Zeitung scheinen diese Entwicklung in gewisser Weise wiederzuspiegeln.  Die unmittelbare Folge des Streits war, dass Beethoven nun nicht mit Mälzel nach England reisen würde.  

TF [S. 569] sieht in der folgenden Ankündigung Beethovens vom 31. Dezember 1813 in der "Wiener Zeitung" die erste Reaktion des Komponisten auf seinen Streit mit Mälzel:  

"MUSICAL ACADEMY

The desire of a large number of music lovers whom I esteem as worthy of honor, to hear again my grand instrumental composition on 'Wellington's Victory at Vittoria', makes it my pleasant duty herewith to inform the valued public that on Sunday, the 2nd of January, I shall have the honor to perform the aforementioned composition with added vocal pieces and choruses and aided by the most admirable musicians of Vienna, in the R.I. Large Redoutensaal for my benefit."

"Tickets for admission are to be had daily in the Kohlmarkt in the house of Baron v. Haggenmueller, to the right of the court on the ground floor, in the comptoir of Baron v. Pasqualati: parterre 2fl, Gallery 3fl. Vienna standard.

Ludwig van Beethoven (Thayer 569).

-- Hier unsere Wiedergabe des Originaltexts:  

»Musikalische Akademie.

Der Wunsch zahlreicher, mir sehr verehrungswürdiger Freunde der Tonkunst, meine große Instrumental- Composition über Wellington's Sieg bei Vittoria noch einmal zu hören, macht es mir zur angenehmen Pflicht, dem schätzbaren Publikum hiermit anzukündigen, daß ich Sonntags den 2. Januar die Ehre haben werde, mit dem Beistande der vorzüglichsten Tonkünstler von Wien besagte Composition mit neuen Gesangstücken und Chören vermehrt, im K. K. g roßen Redouten-Saale, zu meinem Besten, aufzuführen.  Die Eintrittsbittete sind täglich auf dem Kohlmarkt, im Hause des Freiherrn v. Haggenmüller im Hofe rechts zu ebener Erde, im Comptoir des Freiherrn v. Pasqualati, für das Parterre zu zwei und für die Gallerie zu drei Gulden W. W. zu haben.

Ludwig van Beethoven.« [TDR Bd. 3, S. 406]. 

 

Dazu passen sehr gut die folgenden Zeilen Beethovens aus der Henle-Gesamtausgabe:

"Beethoven an Baron Johann Baptist Pasqualati[1]

                                                                                                                    Wien, Ende Dezember 1813][2]

    Baumann der Schauspieler[3] der heute mit mir zu reden hatte, glaubt, dass man die Preise auf 1 und 2 fl. setzen solle,[4] nemlich unten ein fl. oben 2 fl., indem die Sachen denn doch schon 2 mal gegeben worden"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 2, Brief Nr. 681, S. 384; Original:  nicht bekannt, Text nach dem Erstdruck in Nohl II, Nr. 97; zu [1]: verweist darauf, dass sich der Brief wahrscheinlich auf Beethovens Benefizkonzert vom 2. Januar 1814 bezieht.  Laut GA wurden die Eintrittskarten im Kontor von Pasqualati verkauft, wie die o.g. Anzeige bestätigt; zu [2]: verweist darauf, dass der Erfolg der ersten beiden Aufführungen von op. 91 und op. 92 am 8. und 12.12.1813 zu einer Wiederholung am 2.1.1814 führte und dass der Brief wahrscheinlich in die Vorbereitungszeit des dritten Konzerts gehört; zu [3]: verweist wahrscheinlich auf Friedrich Baumann oder seinen weniger berühmten Bruder Anton, beide Schauspieler; zu [4]: verweist darauf, dass die Preise auf zwei und drei Gulden festgesetzt wurden; Einzelheiten S. 384 entnommen].

Wie TF [S. 570] berichtet, fielen Beethovens Mitstreiter Mälzel durch dieses Konzert jedoch durch ihren Streit keine Einnahmen zu.  Auf der anderen Seite musste Beethoven jedoch auch ohne Mälzels "mechanischer Trompete" auskommen, so dass er andere Werke einschieben musste.  Laut TF wählte er Nr. 6, 7 und 8 aus den "Ruinen von Athen" den "feierlichen Marsch mit Chor" und die abschließende Bassarie, die von Weinmueller gesungen wurde, mit Chören.  In der letzten "Nummer" soll plötzlich die Büste des Monarchen erscheinen.  Da Beethoven noch nicht wusste, woher er einen Vorhang nehmen sollte, um das zu erzielen, habe er am 1. Januar 1814 an einen Freund [TFs Meinung nach Zmeskall, laut Henle-Gesamtausgabe jedoch Baron Pasqualati] die folgenden Zeilen geschrieben:  

"Beethoven an Baron Johann Baptist Paqualati[1]

                                                                                                                                                   [Wien, 1. Januar 1814][2]

    lieber werter Freund! alles wäre gut, wäre der Vorhang da, ohne diesen fällt die Arie [3] durch. erst heute mittag erfahre ich dieses von L[4], und mich schmerzt's -- sey's nur ein Vorhang, wenn auch ein Bett-vorhang oder nur eine Art von Schirm, den man im Augenblicke wegnimmt, ein Flor, etc. Es muss was seyn; die Arie ist ohnehin mehr dramatisch für's Theater geschrieben, als dass sie im Konzert Wirken könnte, alle Deutlichkeit geht ohne etwas Ähnliches verlohren! -- verlohren!-- verlohren! -- Zum Teufel alles! Der Hof kommt wahrscheinlich, Baron Schweiger bat mich inständing hinzugehen, Erzherzog Karl][5] ließ mich vor sich und versprach zu kommen -- Die Kaiserin [6] sagte eben nicht zu aber auch nicht ab.[7] --

Vorhang!!!! oder die Arie und ich werden Morgen gehangen

leben Sie wohl bey'm neuen Jahr drücke ich Sie eben so sehr als beim alten ans Herz -- Mit Vorhang oder ohne Vorhang?

                                                                                                               Ihr Beethowen"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausabe, Band 3, Brief Nr. 688, S. 3-4; Original:  Wien, Oesterreichische Nationalbilbiothek; zu [1] verweist darauf, dass das Schreiben innerhalb einer Gruppe von Beethoven-Briefen überliefert ist, die an Baron Pasqualati geschrieben wurden; zu [2]: verweist darauf, dass sich der Brief auf Beethovens Konzert vom 2. Januar 1814 im großen Redoutensaal bezieht und dass er am Neujahrstag geschrieben wurde; zu [3]: verweist auf die Arie des Oberpriesters aus den Ruinen von Athen, op. 113; zu [4]: verweist wohl auf Graf Moritz Lichnowsky, der laut GA an der Vorbereitung der Akademie mitgewirkt hatte; zu [5]: verweist auf Erzherzog Karl, den Bruder Kaiser Franz I.; zu [6]: verweist auf Maria Ludovica Beatrice d'Este, die dritte Gattin von Kaiser Franz I.; zu [7]: verweist darauf, dass die Anwesenheit des Hofs bei diesem Konzert nicht dokumentiert ist; Einzelheiten S. 3-4 entnommen].

Für Beethoven brachte dieses Konzert sowohl finanziellen Erfolg als Erfolg beim Publikum.  Dies lag laut TF wohl daran, dass Beethoven ungefähr mit der selben Mannschaft arbeitete als bei den zwei vorangegangenen Benefizkonzerten.  Statt Salieri wirkte jedoch Hummel an den Pauken mit.  Es waren also wenig Proben nötig.  Wie TF berichtet, war der Applaus grosszügig:

"Many things had to be repeated, and there was a unanimous expression of a desire on the part of all the hearers to hear the compositions again and often, and to have occasion more frequently to laud and admire our native composer for works of his brilliant invention" (Thayer 571; --

-- TF berichtet, dass vieles wiederholt werden mussste, und laut TF bestand beim Publikum der einstimmige Wunsch, die Kompositionen wieder und oft zu hören, und öfters Gelegenheit zu haben, den einheimischen Komponisten für seine brillianten Werke zu bewundern und zu bejubeln).

Der Sänger Franz Wild, der auch zugegen war, lieferte in seiner 'Autobiografie', die in Band 4 der 'Rezensionen über Theater und Musik' 1860 in Wien erschien, einen Bericht, der sich mit Spohrs Bericht zu Beethovens Gebaren als Dirigent deckt und, während er jedoch nicht alle Einzelheiten wiederholt, einen lebendigen Eindruck vermittelt: 





»Er [Beethoven] betrat das Dirigentenpult, und das Orchester, welches seine Schwächen kannte, fand sich dadurch in eine sorgenvolle Aufregung versetzt, welche nur zu bald gerechtfertigt wurde; denn kaum hatte die Musik begonnen, als der Schöpfer derselben ein sinnverwirrendes Schauspiel bot. Bei den Pianostellen sank er in die Kniee, bei den Forti schnellte er in die Höhe, so daß seine Gestalt bald zu der eines Zwerges einschrumpfend unter dem Pulte verschwand, bald zu der eines Riesen sich aufreckend weit darüber hinausragte, dabei waren seine Arme und Hände in einer Bewegung, als wären mit dem Anheben der Musik in jedes Glied tausend Leben gefahren. Anfangs ging das ohne Gefährdung der Wirkung des Werkes, denn vor der Hand blieb das Zusammenbrechen und Auffahren seines Leibes mit dem Verklingen und Anschwellen der Töne in Übereinstimmung, doch mit einem Male eilte der Genius dem Orchester voraus, und der Meister machte sich unsichtbar bei den Fortestellen und erschien wieder bei den Pianos. Nun war 'Gefahr im Verzuge', und im entscheidenden Moment übernahm Kapellmeister Umlauf den Kommandostab, während dem Orchester bedeutet wurde, nur diesem zu folgen. Beethoven merkte längere Zeit nichts von dieser Anordnung, als er sie endlich gewahr wurde, erblühte auf seinen Lippen ein Lächeln, welches wenn je eines, das mich ein freundliches Geschick sehen ließ, die Bezeichnung 'himmlisch' verdient«
[TDR Bd. 3, S. 408]. 

Dieses Mal ließ Beethoven am 24. Januar eine kurze Danksagung in der 'Wiener Zeitung' einrücken:  

»Danksagung.

Ich hatte das Glück, mich in der am 2. Jan. von mir gegebenen Akademie, bei der Aufführung meiner Compositionen, durch eine große Zahl der ausgezeichnetsten und berühmtesten hiesigen Künstler unterstützt zu sehen, und dem Publikum meine Werke unter den Händen solcher Virtuosen auf eine so glänzende Art bekannt gemacht zu wissen. Wenn diese Künstler sich hiefür durch ihren Kunsteifer und den Genuß, den sie durch ihre Talente dem Publikum verschafften, schon von selbst belohnt fühlten, so ist es noch meine Pflicht, ihnen für die dabei mir bezeugte Freundschaft und bereitwillige Unterstützung öffentlich meinen wärmsten  Dank überzutragen.

Ludwig van Beethoven.« [TDR Bd. 3, S. 409].

Wie TF berichtet, ermutigte Beethoven dieser Erfolg, gleich ein weiteres Akademiekonzert anzusetzen, das in der 'Wiener Zeitung 'vom 24. Februar für den 27. Februar angekündigt wurde, und zwar wieder im großen Redoutensaal.  Seine Zeilen an Hartmann aus der Zeit vor dem 23. Februar werfen ein Licht auf diese Pläne:

"Beethoven an Herrn Hartmann[1]

                                                                                   [Wien, vor dem 23. Februar 1814][2]

  Unser Beethowen bittet Unsern Hartmann Seine Akademie welche Sonntags am <28ten>27ten dieses Monaths im großen Redoutensaale abgehalten wird, in unserem Beobachter +gütigst+ anzuzeigen[3] -- nebst der Schon bekannten Schlacht[4] wird eine neue noch nicht gehörte Sinfonie[5] und ein neues Vokal-Terzett aufgeführt[6] --

    verkennen sie nicht den Künstler, welcher nach gewinn ausgeht, leider hat mich die Erfahrung gelehrt, dass man mur So ganz gewonnen für die Wahre Kunst sich heißen kann --

                                                                                                                      ganz ihr Beethowen

    Es wäre noch erwuenscht, schon Ascher Mittwoch dieses in ihrem Blatte lesen zu können. --

    Missdeuten sie nicht das Unser.  Es [ist] mir sehr angenehm dieses mir von Ihnen ertheilte Beywort.[7] --

An Seine Wohlgeborhn Hr. von Hartmann."

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 697, S. 10-11; Original: Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]: laut GA ließen sich keine Daten zu Hartmann ermitteln; zu [2]: verweist darauf, dass Beethoven in diesem Brief um die Ankündigung seiner Akademie vom 27. Februar 1814 am "Aschermittwoch", d.h. am 23.2.1814, bat; zu [3]: verweist darauf, dass der Österreichische Beobachter am 24. Februar 1814 meldete: Nächsten Sonntag den 27. wird unser Beethoven seine musikalische Akademie geben [ . . . ]"; zu [4]: verweist auf op. 91; zu [5]: verweist auf op. 93; zu [6]: verweist auf op. 116, das schon 1802 entstanden war; zu [7]: verweist darauf, dass in dem Bericht über die Akademie vom 8.12.1813 im Österreichischen Beobachter vom 11.12.1813 stand:  "Dem, durch sein ausgezeichnetes mechanisches Genie bekannten Kuenstler J. Mälzel verdanken heute die Freunde und Kenner der Musik und besonders der Compositionen unsers Beethoven einen höchst erfreulichen, ausgezeichneten Genuss."; Einzelheiten S. 10-11 entnommen].

Vor dem Konzert bat Beethoven um Hummels erneute Mithilfe:

"Beethoven an Johann Nepomuk Hummel

                                                                                                              [Wien, vor dem 27. Februar 1814][1]

Allerliebster Hummel!

    Ich bitte dich dirigiere auch diese mall die Trommelfell und Kanonaden, <mit deinem trefflichen Kapellmeister und FeldzugHerrnStab -- thue es ich bitte dich, falls ich dich einmal kanoniren soll, stehe ich dir mit leib und Seel' zu dienst --

                                                                                                               Dein Freund Beethowen"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 700, S. 13; Original: Düsseldorf, Goethe-Museum; zu [1]: verweist darauf, dass Hummel in der Akademie vom 2.1.1814 die Leitung der Kanonen und Trommeln in Op. 91 übernommen hatte, während Salieri dies bei den Konzerten im Dezember getan hatte; Angaben S. 13 entnommen].

Auch an Anna Milder-Hauptmann wandte er sich mit diesen Zeilen:

"Beethoven an Anna Milder-Hauptmann[1]

                                                                                                                 [Wien, vor dem 27. Februar 1814][2]

Meine werthe M!

    Heute wollte ich zu ihnen kommen, allein es ist nicht moeglich, sie werden selbst wissen, wie viel man A.[kademie] zu besorgen hat -- nur so viel, Mälzel hat nicht im mindesten Auftrag gehabt, sie zu bitten zum Singen.  Es war die Rede davon, und sie waren der erste Gegenstand, worauf ich dachte mein Konzert zu verschönern, ich hätte selbst es zugegeben, dass sie eine Arie von einem andern Meister gesungen, allein diejenigen, welche das Konzert zu meinem besten unternehmen, hatten die schwachheit festzusezen, dass die Arie durchaus von meiner Komposition seyn muesse, allein mir Mangelte es an Zeit dazu eine Neue zu schreiben, die aus meiner oper[3] passt schon ihrer Situation nach nicht fuer einen so großen Saal wie der Redouten-Saal. --

    So ist es meine liebe verehrte M. Auftrag hatte M.[älzel] nicht im mindesten, weil ich selbst noch nicht wusste, was ich thun sollte und konnte, indem ich mich richten musste nach der Meynung derer, die mein Konzert unternehmen -- hätte ich eine neue Arie zu meiner disposition gehabt, so hätte ich mich ihnen zu Füßen gelegt, dass sie meine Bitte erhört hätten --

    Übrigens empfangen sie meinen lebhaftesten Dank für ihre gütigen Gesinnungen für mich, hoffentlich werden sich meine Umstände bald bessern (denn sie werden wohl wissen, dass ich beynahe alles verlohren habe),[4] und dann soll mein erstes seyn für unsere einzige Milder eine oper zu schreiben, und alle meine Kräfte anzuspannen, mich ihrer würdig zu machen --

mit Hochachtung ihr Freund

                                                                                                             Beethowen

(einige Billette fuer mein Konzert werden sie wohl nicht verschmähen)"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 702, S. 14-15; Original: Privatbesitz, Österreich; zu [1]: verweist auf Pauline Anna Milder-Hauptmann [1785 - 1838], Schülerin Guiseppe Tomasellis, Antonio Salieris und Sigismund Neukomms, die 1803 am Theater an der Wien debutierte und dort 1805 und 1806 in der ersten und zweiten Fassung des Fidelio die Partie der Leonore sang, die Beethoven für sie geschrieben hatte; laut GA war sie seit 1810 mit dem Juwelier Peter Hauptmann verheiratet, von dem sie sich jedoch wieder trennte.  Am 23.5.1814 übernahm sie laut GA erneut die Partie der Leonore, ging 1815 zu Gastspielen nach Berlin, blieb dort und kehrte erst 1829 wieder nach Wien zurück; zu [2]: verweist darauf, dass der Brief laut GA nicht lange vor der Akademie vom 27.2.1814 geschrieben wurde, bei der Beethoven auf das Terzett Op. 116 zurückgriff; zu [3]: verweist vielleicht auf Leonores Arie "Komm, Hoffnung, lass den letzten Stern"; zu [4]: verweist darauf, dass Fürst Lobkowitz und die Erben des Fürsten Kinsky ihre Gehaltszahlungen an Beethoven seit langem eingestellt hatten; Einzelheiten S. 15 entnommen].

 Wie die 'Allg. Mus. Zeit. berichtet, standen folgende Werke auf dem Programm: 

"1. The new symphony (A major) which was received with so much applause, again. The reception was as animated as the first time, the Andante (A minor) the crown of modern instrumental music, as at the first performance, had to be repeated.

2. An entirely new Italian terzetto (B-flat major) beautifully sung by Mad. Milder-Hauptmann, Hr. Siboni and Hr. Weinmueller, is conceived at the outset wholly in the Italian style, but ends with a fiery Allegro in Beethoven's individual style. It was applauded.

3. An entirely new, hitherto unheard symphony (F major, 3/4 time). The greatest interest of the listeners seemed centered on this, the newest product of Beethoven's muse, but this was not sufficiently gratified after the single hearing . . . "

4. As the close, Wellington's Victory in the battle of Vittoria was given again, the first part, the battle, having to be repeated. The performance left nothing to be desired; and the attendance was again very large" (Thayer 475-476).

Geben wir hier den deutschen Text aus TDR wieder:

»1. Die neue mit so vielem Beifalle aufgenommene Symphonie (A dur) abermals. Die Aufnahme derselben war eben so lebhaft, als die ersteren Male; das Andante (A moll), die Krone neuerer Instrumentalmusik, mußte, wie jederzeit, wiederholt werden.
2. Ein ganz neues italienisches Terzett (B dur), schön vorgetragen von Mad. Milder-Hauptmann, Hrn. Siboni und Hrn. Weinmüller, ist anfangs ganz im italienischen Stil gedacht, endet aber mit einem feurigen Allegro in Beethoven's eigener Manier. Es erhielt Beifall.
3. Eine ganz neue, noch nie gehörte Symphonie ( F dur 3/4 Takt). Die größte Aufmerksamkeit der Zuhörer schien auf dieß neueste Product der B.schen Muse gerichtet zu sein, und alles war in gespannter Erwartung, doch wurde diese, nach einmaligem Anhören, nicht hinlänglich befriedigt, und der Beifall, den es erhielt, nicht von jenem Enthusiasmus begleitet, wodurch ein Werk ausgezeichnet wird, welches allge-  mein gefällt; kurz, sie machte - wie die Italiener sagen - kein Furore. Referent ist der Meinung, die Ursache liege keineswegs in einer schwächeren oder weniger kunstvollen Bearbeitung: (denn auch hier, wie in allen B.schen Werken dieser Gattung, athmet jener eigenthümliche Geist, wodurch sich seine Originalität stets behauptet:) sondern, theils in der nicht genug überlegten Berechnung, diese Symphonie der in Adur nachfolgen zu lassen, theils in der Uebersättigung von schon so vielem genossenen Schönen und Trefflichen, wodurch natürlich eine Abspannung die Folge sein muß. Wird diese Symphonie in Zukunft allein gegeben, so zweifeln wir keineswegs an dem günstigen Erfolge.
4. Zum Schluß wurde nochmals Wellington's Sieg in der Schlacht bei Vittoria g egeben, wovon der erste Theil: die Schlacht, wiederholt werden mußte. Die Ausführung ließ nichts zu wünschen übrig; auch war die Versammlung wieder sehr zahlreich.« [TDR, Bd. 3, S. 414]. 

Laut TF hinterließen sowohl Schindler als auch Beethoven eingehende Aufzeichnungen in Bezug auf die Ausgaben zu diesem Konzert, das laut Schindler 5000 Zuhörer anzog, während die wirkliche Zahl wohl eher 3000 betrug.  Während die Achte Symphonie wohl noch nicht ganz verstanden worden war, kam alles andere laut TF sehr gut an und füllte Beethovens Taschen.  

Wie TF berichtet, hielt sich Mälzel noch einige Wochen in Wien auf, während er versuchte, mit Beethoven einen Kompromiss auszuarbeiten.  Auch Beethovens Korrespondenz der Zeit spiegelt dies wieder:

"Beethoven an Nikolaus Zmeskall

                                                                                                                   [Wien, 11. Januar 1814][1]

    lieber Z.  Es wird heute um 12 uhr bey Baron Pasqualati rath gehalten, die sache mit M.[älzel] geht ganz friedlich aus,[2] allein ich muß jezt schon nach London, wenn ich mit Wellington's Sieg etwas machen will, da vieleicht schon in einigen Wochen der Friede wird.[3] -- Können sie also, so bitte ich sie zu kommen -- bringen sie die gehörMaschinen wieder mit, da die ganze sache nun nicht nöthig ist. --

                                                                                                              ganz ihr Beethowen."

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 691, S. 5 - 6; Original: Berlin, Staatsbibliothek; zu [1]: verweist auf Datierung entsprechend Empfangsvermerk; zu [2]: verweist darauf, dass Mälzel Ansprüche auf das Eigentum von op. 91 erhoben hatte, die Beethoven erbittert ablehnte, s. das Memorandum vom Sommer 1814, Brief 728; zu [3]: verweist auf den Erfolg der Wiener Aufführungen, der Mälzel und Beethoven dazu führte, op. 91 gemeinsam in London aufführen zu wollen.  Laut GA zerschlug sich jedoch das Projekt bald, noch bevor durch den Pariser Frieden vom 30.5.1814 die Kriegshandlungen der französischen und alliierten Streitkräfte eingestellt wurden; Einzelheiten S. 5-6 entnommen].

"Beethoven an Erzherzog Rudolph

                                                                                                              [Wien, vermutlich Januar 1814][1]

Ihro Kaiserliche Hoheit!

    Für heute ist es mir nicht möglich ihnen meinem Wunsche gemäßs aufzuwarten, ich besorge das Werk auf Wellington's Sieg nach london, d.g. haben immer nur festgesezte Zeittermine, die man nicht versäumen darf, ohne alles vesäumt zu haben -- Morgen hoffe ich <ihnen>E.K.H> aufwarten zu dörfen. --

Ihro Kaiserliche Hoheit treuster gehorsamster

                                                                                                                ludwig van Beethowen"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 692, S. 6; Original:  Wien, Gesellschaft der Musikfreunde; zu [1]: verweist  darauf, dass sich laut GA die Datierung auf den Inhalt des Schreibens stützt; laut GA hat Beethoven nach dem großen Erfolg der ersten Aufführungen in Wien auf Rat seiner Freunde dem englischen Prinzregenten und späteren König Georg IV eine überprüfte Abschrift seiner Schlachtmusik Wellingtons Sieg op. 91 zugesandt und um Genehmigung der Dedikation gebeten, s. Brief Nr. 810.  Laut GA ist der genaue Zeitpunkt der Übergabe der Abschrift an den Kurier des Grafen Razumowsky, der die Zustellung besorgen sollte, nicht bekannt.  In Brief Nr. 1579, einem Entwurf, der erst am 24.2.1823 aufgesetzt wurde, heißt es laut GA lediglich "1813."  In der Streichung dieser Jahreszahl und in der unmittelbaren Wiedereinsetzung im Original zeigt sich laut GA überdies eine Unsicherheit bezüglich des Datums.  Nach Beethovens Darstellung in der sogenannten "Deposition" vom Sommer 1814, Brief Nr. 728, wurde die Abschrift nach den Akademien vom 8. und 12. Dez. 1813, vielleicht sogar erst nach der Akademie vom 2. Januar 1814, aber vor dem Umzug in das Bartensteinsche Haus, abgeschickt, der vor dem 13.2.1814 erfolgt sein muss, s. Brief Nr. 696, auf dem die neue Adresse zum erstenmal bezeugt sei; Einzelheiten S. 6 entnommen].

"Beethoven an Nikolaus Zmeskall

                                                                                                                  [Wien, vermutlich Januar/Februar 1814][1]

    lieber Z. ich reise nicht, wenigstens will ich mir hierin keinen Zwang auflegen -- die sache muß reiflicher überlegt werden -- Unterdessen ist das werk dem Prinzen Regenten schon überschickt worden,[2] will man mich so hat man mich, und dann bleibt mir noch die Freyheit ja oder nein zu sagen.  Freyheit!!!! was will man mehr??? gern mögte ich sie wegen meiner wohnung, wie ich mich einrichten soll besprechen. -- "

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 693, S. 6-7; Original:  Wien, Österreichische Nationalbibliothek; zu [1]: verweist darauf, dass der vorliegende Brief vermutlich nach Brief Nr. 691 vom 11.1.1814 und vor Beethovens Umzug in das Bartensteinsche Haus geschrieben wurde, da die neue Adresse erstmals in Brief Nr. 696 vom 13.2.1814 bezeugt wird; zu [2]: verweist auf Brief Nr. 692, Anm. 1; Angaben S. 7 entnommen].

Wie TF weiter berichtet, gab Beethoven jedoch in verschiedenen, im Büro des Anwalts Dr. Adlersburg stattfindenden Treffen letztendlich nicht nach.  Zum letzten angesetzten Treffen sei Mälzel nicht mehr erschienenen.  Sowohl TF [S. 579] als auch TDR verweisen darauf, dass:

"Erbittert über das Verhalten des Komponisten und ohne Hoffnung, bei einer ferneren Beratung noch etwas zu erreichen, erschien Mälzel bei der zuletzt anberaumten Besprechung nicht, brachte aber heimlich von den einzelnen Stimmen der Schlacht so viele an sich, daß er imstande war, aus denselben eine ziemlich korrekte Partitur des Werkes a usschreiben zu lassen. Mit dieser reiste er nach München ab und brachte es daselbst in zwei Konzerten am 16. und 17. März zur Aufführung." [TDR Bd. 3, S. 422]. 

Als Beethoven davon hörte, berichtet TF [S. 579], begann Beethoven eine Gerichtsklage gegen Mälzel, der bereits auf seiner Europareise war.  Während TF darauf hinweist, dass Beethoven die Abschrift von Op. 91 zu dieser Zeit nach England verschickte, können wir aus den Anmerkungen zu seinen hier bereits wiedergegebenen Zeilen an Erzherzog Rudolph entnehmen, dass dies vor seinem Umzug ins Bartenstein'sche Haus, also vor dem 13. Februar 1814, geschah.  Es muss jedoch seine eindeutige Absicht gewesen sein, damit für alle Fälle dieses Werk zu "seinem" Werk zu erklären.  Wie jedoch TF berichtet, nahm der Prinzregent von dem Werk nur insofern Kenntnis, als er dessen Aufführung gestattete.  

Aus der Henle-Gesamtausgabe können wir Ihnen hier Beethovens Entwurf eines Memorandums an seinen Anwalt bieten:

"Beethoven an Karl Schwabel Edler von Adlersburg[1] (Entwurf eines Memorandums)[2]

                                                                                                                                 [Wien, vor dem 25. Juli 1814][3]

    Ich hatte M.[älzel] aus eigenem Antrieb ein Stück S.[ieges}S.[infonie][4] für sein Panharmonika ohne <Begleitung> Geld geschrieben -- als er dieses <fertig> eine weile hatte brachte er mir die Partitur wornach er schon zu stechen angefangen und wünschte es <instrumentirt> Bearbeitet für ganzes Orchester -- ich hatte schon vorher die Idee von einer schlacht gefasst, die aber auf sein P.[anharmonikon] nicht anwendbar, wir kamen ueberein zum besten der v.[erwundeten] dieses werk und noch mehrere andere <zu g> von mir zu geben,[5] während dieses geschah kam ich in die schrecklichste Geldverlegenheit -- verlassen von der ganzen welt <in Er> hier in vien, in Erwartung eines wechsels der etc bot mir M. 50# in gold an -- ich nahm sie, und sagte ihm, dass ich sie ihm hier wieder geben, oder ihm das werk nach london mitgeben wollte, falls ich nicht selbst mit ihm reiste -- wo ich ihn darauf anweisen bey einem englischen Verleger -- der ihm dieses bezahlen würde.

   die Partitur wie es für sein panharmonica gesezt war erhielt ich von ihm zurück[6]

   Nun giengen die A.[kademien] vor sich, während dieses entwickelte sich erst Hr. M. Plan und Karakter. -- Er ließ ohne meine Einwilligung auf die anschlagzettel sezen, dass es sein Eigenthum sey, empört hierüber, muste er diesen wieder abreißen lassen, nun sezte er aus Freundschaft zu seiner reise nach london[7] dieses liess ich zu, weil ich mir noch immer die Freyheit, unter was für bedingungen ich ihm das werk geben wollte, dachte -- +ich erinnere mich während der Zettel abdrüke heftig gestritten zu haben allein die zu kurze Zeit+ ich schrieb <selbst während der anschlagzettel> noch an dem Werke, <daher im Feuer der Eindr.[ücke] ganz in meinem werke -- dachte ich kaum dran -- Unterdessen gleich nach der ersten A.[kademie] auf der U.[niversitaet] >hörte ich> wurde mir von allen Seiten und von glaubwürdigen Menschen erzählt, dass er überall ausgespre[n]gt er habe mir 400# in [Gold] bezahlt -- ich <gab> ließ hierauf folgendes in die Zeitung rüken,[8] allein der Zeitungsschreiber rükte es nicht ein da M. mit allen gut steht -- gleich nach der ersten A. <erklärte i>gab ich M. seine 50# wieder -- erklärte ihm, dass nachdem ich seinen Karakter hier kennen gelernt, ich nie mit ihm reiste, empört mit recht, dass er ohne mich zu fragen auf die Zettel gesezt, dass alle Anstalten <gefrof> für die A. verkehrt getroffen, und sein <selbst> schlechter patriotischer Karakter sich in folgenden ausdrüken zeigt <ich sch... auf v.[ien], wenn's nur in london heisst, <ich h>man hier 10 fl. bezahlt,[9] nicht der verwundeten habe ich dies gethan sondern deswegen --) auch gebe ich ihm das Werk nach london nicht anders mit, als mit Bedingungen -- die ich ihm bekannt machen würde -- er behauptete nun, dass es ein Freundschafltiches Geschenk sey -- ließ diesen ausdruck nach der 2ten Akademie <wieder> in die Zeitung sezen[10] ohne mich im mindesten drum zu fragen -- <sein Plan war wie alles beweist sich für 50# Herr von dem werke zu amchen, dass er selbst nicht recht glaubte>

    da M. ein roher M.[ensch> gaenzlich ohne Erziehung ohne Bildung so kann man denken, wie er sich während dieser Zeit gegen mich betr[a]gen und mich dadurch immer mehr empörte -- +u wer wollte einem solchen Menschen mit Zwang ein Freundschaftliches Geschenk machen --+man bot mir nun die Gelegenheit dar dem Prinzregenten das werk zu schicken[11] -- Es war also nun schon gar nicht möglich -- ohne Bedingungen ihm dieses werk zu geben -- Er kam nun zu ihnen, <sie werden sich erinnern, dass ich ihm selbst einige andre werke von mir angebot>, machte vorschläge, Es war ihm gesagt, an welchem Tag er erscheine um die Antwort abzuholen -- allein er kam nicht [12] -- reiste fort, hat in München das werk hören lassen,[13] wie hat er es erhalten?

stehlen war nicht möglich, also Herr M. hatte <eine> einzelne Stimme einige Täge im Hause -- und hieraus ließ er von einem Musikalischen niedrigen Handwerker das ganze zusammensezen und hausirt nun in der welt damit herum -- Hr. M.[14] hatte mir gehör Maschinen versprochen, <die am> um ihn aufzumuntern sezte ich ihm die Siegessinfonie auf sein P. -- seine M.[aschinen] kamen endlich zustande aber nicht brauchbar genug für mich -- für diese kleine Mühe meinte Hr. M. hätte ich <mir>ihm nach dem die die SiegesSinfonie für's grosse Orchester gesezt, die schlacht dazu komponirte, zum ausschließlichen Eigenthümer dieses werkes machen sollen -- wollen wir nun sezen, dass in rücksicht der gehörMaschinen mich ihm einigermassen verbindlichk<eiten> fühlte, so ist diese getilgt, dass er in München mir[recte: mit] gestohlnen oder verstümmelten zusammengetragenen schlacht wenigstens 500 fl. in K.M. machte -- er hat sich also selbst bezahlt gemacht -- <ohne was wir wissen> -- Er hatte selbst hier die Frechheit zu sagen, dass er die schlacht habe, ja er zeigte sie geschrieben mehrern Menschen, allein ich glaubte es nicht -- und habe auch in so ferne recht--als das ganze nicht von mir sondern von einem andern zusammengetragen -- <waehrend der A., die ich für mich selbst gab suchte>auch die Ehre, die er sich allein zueignet, könnte schon Belohnung seyn, meiner erwähnte der Hofkriegsgrath <sic> gar nicht,[15] und doch waren alles, wodurch die beyden A. bestanden, von mir -- sollte <sich> Hr. M., wie er sich verlauten ließ, wegen der schlacht <und der> seine reise nach london verzögert haben, so waren dieses auch nur schwänke, H.[err] M. blieb bis er seine Stickwehr[16] <probi> vollendet hatte, nachdem die ersten Versuche nicht gelungen waren[17] --"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 728, S. 44 - 46; Original: Berlin, Staatsbibliothek; zu [1]: laut GA bestätigen inhaltliche Zusammenhänge mit Adlersburgs eigenhändigem Testat vom 20. 10. 1814 den Hinweis Schindlers, dass das Schriftstück für Adlersburg verfasst wurde; zu [2]: verweist darauf, dass die Bezeichung "Deposition" von Schindler verwendet wurde; zu [3]: verweist darauf, dass der vorliegende Entwurf Beethovens "Aufforderung an die Tonkünstler Londons" vom 25.7.1814 (s. die Anlage zu Brief Nr. 742), nach einzelnen Formulierungen zu schließen, vorausging; zu [4]: verweist laut GA auf die Ergänzung analog der weiter unten von Beethoven gebrauchten Werkbezeichnung, nicht, wie Schindler hier anmerkte: "Schlacht Sinfonie"; zu [5]: verweist darauf, dass zugunsten der Verwundeten der Schlacht von Hanau zwei Benefizkonzerte  von Mälzel und Beethoven am 8. und 12. Dezember veranstaltet wurden; zu [6]: verweist auf die von Beethoven korrigierte Partiturabschrift, auf die Beethoven laut GA geschrieben hatte:  "Auf Wellington's Sieg bey Vittoria, 1813 geschrieben für Hr. Mälzel von ludwig van Beethoven"; zu [7]: verweist darauf, dass die Anschlagzettel nicht überliefert sind; zu [8]: verweist darauf, dass sich ein darauf beziehendes Dokument nicht nachweisen läßt; zu [9]: verweist auf die ungewöhnlich hohen Eintrittspreise der Dezemberakademien von 10 und 5 Gulden; zu [10]: verweist vermutlich auf die Rezension der Wiener Zeitung vom 20. Dezember 1813; zu [11]: hierzu verweist die GA auf Beethovens Zeilen an Zmeskall, Brief Nr. 693, in dem er die bereits erfolgte Absendung des Werkes an den englischen Prinzregenten und späteren König Georg IV. meldet; zu [12]: verweist darauf, dass sich Mälzel zu diesem Termin nicht eingefunden hatte, was von Adlersburg und Pasqualati am 20.10.184 schriftlich bestätigt worden sei; zu [13]: verweist darauf, dass Mälzel op. 91 am 16. und 17. 3.1814 in München aufführen ließ; zu [14]: laut GA hob Schindler "Hr.M." durch einen Haken hervor;  zu [15]: verweist auf die Danksagung des Wiener Hofkfriegsrates für den Erlös aus den beiden Wohltätigkeitsakademien in der Wiener Zeitung vom 8.2.1814; zu [16]: verweist auf die von Mälzel konstruierte "Erstickungs-Wehr" zur Bekämpfung von Kellerbränden; zu [17]: verweist auf die Unterschrift "Beethoven" von der Hand Schindlers, in versuchter Nachahmung der Handschrift Beethovens; Einzelheiten S. 46 entnommen].

Ende September 1814 legte Beethoven einem Brief an Ferdinand Ries eine Erklärung zu Mälzel bei:

"Beethoven an Ferdinand Ries in London

                                                                                              [Wien, Ende September 1814][1]

Lieber Riess!

    aus dem beygelegten sehn sie die schändlichkeit Mälzels[2] und ich bitte sie dieses Blatt überall bekannt zu machen, und im Fall der Noth auch als bevollmächtigter von mir in Druck zu geben,[3] sobald M. den geringsten Anschein macht, mit diesem Werke auf<zu>treten zu wollen --

   . . .

leben sie wohl schreiben sie mir einmal wieder ihrem wahren Freunde

                                                                                                                   Beethowen

To Ferd. Ries adresse B.A> Goldschmidt a London."

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 742, S. 60; Original: Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]: verweist darauf, dass der Brief laut Poststempel am 10.10.1814 in London eintraf und wohl zwei Wochen zuvor in Wien aufgegeben wurde; zu [2]: verweist darauf, das der Name von fremder Hand ausgestrichen ist und darauf, dass Beethoven vermutlich eine Kopie der "Erklärung und Aufforderung and die Tonkünstler zu London" vom 25.7.1814 beigefügt wurde; zu [3]: verweist darauf, dass die "Erklärung" oder ein ähnliches Dokument in London nicht veröffentlicht wurde; Einzelheiten S. 60 entnommen].

Hier können wir Ihnen noch den Text der "Erklärung" aus TDR III bieten:

»Herr Maelzel, der sich gegenwärtig in London befindet, hat auf seiner Reise dahin meine Siegessinfonie und Wellington's Schlacht bei Vittoria in München aufgeführt, und wird dem Vernehmen nach auch zu London Akademien damit geben, so wie er es ebenfalls in Frankfurt zu thun Willens gewesen war. Dieses veranlaßt mich öffentlich zu erklären: daß ich Herrn Maelzel nie und auf keine Weise die genannten Werke überlassen oder abgetreten habe, daß Niemand eine Abschrift derselben besitzt, und daß ich die einzige, die von mir veräußert worden, an Se. königl. Hoheit den Prinzen-Regenten von England gesendet habe.
Die Aufführung dieser Werke durch Herrn Maelzel ist daher entweder ein Betrug gegen das Publicum, indem er, der hier gegebenen Erklärung zufolge, sie nicht besitzt, oder, wenn er sie besitzt, eine Beeinträchtigung gegen mich, indem er sich ihrer auf einem wierrechtlichen Wege bemächtigt hat.
Aber auch in dem letztern Falle wird das Publicum hintergangen werden, denn das, was Herr Maelzel unter dem Titel: Wellington's Schlacht bei Vittoria und Siegessinfonie ihm zu hören gibt, muß o ffenbar ein unächtes oder verstümmeltes Werk seyn, da er von diesen meinen beiden Werken, außer einer einzigen Stimme auf ein Paar Tage, nie etwas von mir erhielt.
Dieser Verdacht wird zur Gewißheit, wenn ich die Versicherung hiesiger Tonkünstler, deren Namen ich nöthigenfalls öffentlich zu nennen ermächtigt bin, hier beifüge, daß Herr Maelzel bei seiner Abreise von Wien gegen sie geäußert: er besitze diese Werke, und daß er ihnen Stimmen davon gezeigt habe, die aber, wie ich schon erwiesen, nicht anders, als verstümmelt und unächt seyn können.
Ob Herr Maelzel einer solchen Beeinträchtigung gegen mich fähig sey? - beantwortet der Umstand, daß er sich allein als Unternehmer meiner hier in Wien Statt gehabten Akademien zum Besten der im Kriege Verwundeten, wo blos meine Werke aufgeführt wurden, in öffentlichen Blättern ohne Erwähnung meines Namens angeben ließ.
Ich fordere daher die Tonkünstler von London auf, eine solche Beeinträchtigung gegen mich, a ls ihren Kunstgenossen, durch eine von Herrn Maelzel veranstaltete Aufführung der Schlacht bei Vittoria und der Siegessinfonie dort nicht zu dulden, und zu verhindern, daß das Londoner Publicum auf die gerügte Weise von ihm hintergangen werde.

Wien am 25. Juli 1814.«
[TDR BD. 3, S. 603 ff.] 

Auch das "Zeugnis" durch Pasqualati und Adlersburg ist in TDR III enthalten:

"Zeugniß.

»Wir Endesgefertigte bezeugen zur Steuer der Wahrheit und können es nöthigen Falles beschwören: daß zwischen Herrn Louis van Beethoven und dem Hofmechaniker Herrn Maelzel allhier mehrere Zusammenkünfte bei dem unterzeichneten Dr. Carl v. Adlersburg statt fanden, welche die von ersterem verfaßte musicalische Composition: die Schlacht von Vittoria genannt, und die Reise nach England zum Gegenstand hatten; Herr Maelzel machte hierbei dem Herrn van Beethoven mehrere Vorschläge, um das oben genannte Werk, oder wenigstens das Recht der ersten Aufführung für sich zu erhalten. Da sich jedoch Herr Maelzel bei der letzten veranstalteten Zusammenkunft nicht ein. gefunden hatte, so ist darüber nichts zu Stande gekommen; da er die ersteren ihm gemachten Vorschläge nicht angenommen hatte. Urkund dessen unsere Fertigung.
Wien am 20. October 1814.

(L.S.)
Joh. Freiherr v. Pasqualati,
k.k. priv. Großhändler.

(L. S.)
Carl Edler von Adlersburg,
Hof- und Gerichts-Advocat, auch
k. k. öffentlicher Notar.«
[TDR III, S. 604- 605)]
 

Wie TF berichtet, stand Op. 91 im November 1814 wieder auf dem Programm von Beethovens Benefizkonzert im Redoutensaal, das zunächst für den 20. November angesetzt war, jedoch dreimal verschoben wurde, nämlich zunächst auf den 22. November, dann auf den 27. November und zuletzt auf den 29. November.  Die in der Henle-Gesamtausgabe enthaltene Korrespondenz spiegelt diese Vorgänge ebenfalls wieder:

"Graf Ferdinand Palffy an Beethoven

                                                                                                   [Wien, 26. November 1814]

[Laut GA verlangt Graf Palffy unter Hinweis auf die mehrmalige Terminverschiebung und die damit verbundenen Einnahmeverluste der Hofoper die Hälfte des Ertrages der für den 29. November im großen Redoutensaal vorgesehenen Akademie.]

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 755, S. 76; Original: nicht bekannt, erschlossen aus der Erwähnung in Brief Nr. 756; Information S. 76 entnommen].

"Fürst Ferdinand von Trautmannsdorff[1] an Graf Ferdinand Palffy

An S.r des k.k. wirkl. geb. Raths, Kämmerers und Hoftheaterdirectors, Herrn grafen Ferd. von Palffy Excell[enz].

                                                                                                           [Wien,] dt. 27. Nov. 1814.

    Auf Wunsch Ihrer kaiserl. Hoheit, der Frau Grossfürstinn von Russland, Erbprinzessin zu Sachsen-Weimar[2], Höchstwelche verhindert gewesen wären, das auf heute angekündigt gewesene Concert des van Beethoven <anzuhören> zu besuchen, hat derselbe es auf künftigen Dienstag den 29. dieses verlegt.

    Nach einem eingesehenen Schreiben E[uer] E.]xcellenz] vom gestrigen Datum,[3] finden Sie dieses <vor> Aufschubes wegen von dem Concertgeber statt des Anfangs gefordeten Drittheiles der Einnahme, die Hälfte zu verlangen.

    Wenn bey einer Gelegenheit, bey welcher es sich um die Beförderung der Kunst handelt, die Forderung eines Drittheiles von einer aller Wahrscheinlichkeit nach sehr ergiebigen Einnahme schon Jedermann in Verwunderung setzen muss, würde die weitere, ohne irgend einen hinreichenden Grund so sehr erhöhte Forderung ganz sicher einen noch weit ungünstigeren Eindruck <und eine, <mit> dem Ansehen der k.k. Hoftheaterdirection nachtheilige Meynung über den Kunstsinn>[4] <darin> hervorbringen.

    Obschon ich nun in dieser Hinsicht keinen Einfluss auf den vorliegenden Gegenstand zu nehmen habe; glaube ich <E. E.> in der <Bev><Rücksicht> Erwägung, dass es <sich> hier nicht nur um die Unterstützung eines ausgezeichneten Künstlers, auf den Besitz Wien stolz seyn darf, <handelt> zu thun ist, sondern <hier> höhere Rücksichten eintretten, indem der Aufschub auf Verlangen obgedacht I.r kaiserl. Hoheit eingetretten, und selbst von I.r M. der Kaiserinn <als zweckmäßig erkannt> gewunschen worden ist. E. E. bemerken zu sollen, dass eine so sehr überspannte Forderung allerchöchst[en] Orts nicht anders als missfällig aufgenommen werden <dürfte> könnte, und es daher um so mehr bey der ersten Bedingung verbleiben dürfte, als diese schon der Aufnahme der Kunst ueberhaupt ungünstig, und für den Konzertgeber lästig genug ist, auch vormals bey derley Gelegenheiten nie so grosse Beträge gefordert worden sind.

                                                                                                                                                     Mosel[5]

ad M. Serenss.i"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 756, S. 76-77; Original: nicht bekannt, Text nach dem Konzept Ignaz Mosels, Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv (Obersthofmeisteramt, Karton 209, Zl. 542 ex 1814; zu [1]: verweist auf Fürst Ferdinand von Trauttmannsdorff (1749-1827), seit 1807 Obersthofmeister, in dieser Eigenschaft für die Festveranstaltungen beim Wiener Kongress verantwortlich; zu [2]: verweist auf Großfürstin Maria; nach einem Bericht der östterreichischen Geheimpolizei vom 30. Nov. 1814 soll Beethovens Akademie auf Wunsch der Engländer [aus 'religiösen Gründen' auf einen Werktag verlegt worden sein; zu [3]: verweist auf Brief Nr. 755, der nicht erhalten ist; zu [4]: verweist darauf, dass die Passage in spitzen Klammern an der Seite nachgetragen und später gestrichen worden ist; zu [5]: verweist auf Ignaz Franz Mosel, den Hofsekretär im k.k. Obersthofmeisteramt in Wien; Einzelheiten S. 77 entnommen].

"Graf Ferdinand Palffy an Fürst Ferdinand von Trauttmansdorff

                                                                                                                     [Wien, 29. November 1814]

    Daß ich mich entschlossen habe, die k.k. Hoftheater Pachtung neuerdings und zwar mit einer so großen Schuldenlast zu übernehmen, geschah theils um den in verschiedenen Zeiten an mich gestellten Verlangen Sr M. des Kaisers Folge zu leisten, zu gleicher Zeit aber auch weil ich in der Hoftheater Direkzion Ressourcen sah, die Niemand vor mir benutzte. -- Große musikalische Meisterwerke in den Redouten Säälen von denen ganz vereinigten Opern und Orchster Personale in den Mittags Stunden von Zeit zu Zeit ausführen zu lassen, ist eine dieser Ressourcen, von der ich mir großen Erfolg, dem Publikum aber hohen Kunstgenuss versprach.

    Seit mehreren Monaten hatte ich den Vorsaz, besonders um den anwesenden Fremden ausgezeichnete Musiken hören zu lassen, den Judas Macabäus, und Timotheus[1] zu geben; daß ich die Redouten Sääle durch sehr lange Zeit nicht benuzen konnte, ist Euer Fürstlichen Gnaden am besten bekant, so wie die vielen Hindernisse, die ich zu beseitigen habe; nun endlich hätten dazu Produkzionen möglich gemacht werden können, und bloss dehsalb weil ich glaubte den anwesenden höchsten Herrschaften durch das Meisterstück Beethovens einen anziehenden Genuss zu verschaffen, und unter einem den mir sehr werthen Künstler besonders nüzlich zu werden, trug ich ihm durch Professor Weissenbach an, die Cantate[2] und die Schlacht von Vittoria[3] gegen dem mehremale zu geben, dass er und die Direkzion jedesmal den halben Ertrag theilen sollten. --

    Ich machte diesen Vorschlag um so lieber, als jede andere Musik ganz zum Vortheil der Direkzion gewesen wäre.

    Beethoven war damit zufrieden ich befahl alsogleich sein Werk einzustudiren, nun ward es seit mehreren Wochen immer verändert und hinausgechoben; -- Weigl, Treitschke, Maier[4] etc alle klagen unaufhörlich, daß deshalb weder die neue Oper von Weigl,[5] noch andere Opern probiert werden können, daß der Schaden unendlich sey etc -- Ich bestand daher um so mehr auf dem halben Ertrag jeder Vorstellung nicht aber auf dem dritten Theil, wie er es in einem nachträglichen Brief[6] verlangt hat. --

    Da aber nun in meinem Schreiben[7] von der lezten Verzögerung Erwähnung gemacht wurde, dazu auch die Frau Grossfürstin Marie k. Hoheit veranlasst wurde, -- stehe ich von ganzem Herzen alsogleich davon ab, und bey der Gewißheit, wenn die Theuerung und die übrigen Umstände so wie jezt bleiben, bis zum nächsten Sommer sicher ein für mich unerschwingliches deficit zu haben, -- lasse ich mir alles gefallen; -- so haben wenigstens andere gute Menschen, Vortheil davon![8] --

    Verzeihen Euer Fürstlichen Gnaden die Weitläufigkeit; ich hielt es aber für meine Pflicht Sie ganz in Kentniss zu sezen und bitte mir auch die schlechte Schrift -- der Eile wegen bey so vielerlei unangenehmen Gesgenständen, die jeden Tag vorkommen, -- zu gute zu halten.

Wien, d[en] 29ten 9ber 1814.

                                                                                                                                        F. v. Palffy m.p."

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 3, Brief Nr. 757, S. 79-81; Original: Wien, Haus-, Hof- und Staaatsarchiv Obersthofmeisteramt, Karton 209, Zl. 542 ex 1814; zu [1]: verweist auf Oratorien von Georg Friedrich Händel; zu [2]: verweist auf Op. 136, Der glorreiche Augenblick, zu [3]: verweist auf Op. 91; zu [4]: verweist auf den Komponisten Joseph Weigl, den Hoftheaterdichter Georg Friedrich Treitschke und den Sänger Friedrich Sebastian Mayer; zu [5]: verweist auf Die Jugend Peters des Großen, Text von Treitschke nach Jean Nicolas Bouilly; zu [6]: verweist darauf, dass dieser Brief nicht überliefert ist;zu [7]: verweist darauf, dass Brief Nr. 755 nicht überliefert ist; zu [8]: verweist darauf, dass der Satz "so haben wenigstens . . . " später eingefügt wurde; Einzelheiten S. 81 entnommen].

 





Bei diesem Konzert, bei dem Mme. Milder, Dem Bondra, Hr. Wild und Hr. Forti die Kantate "Der glorreiche Augenblick" sangen, waren laut TF mehrere königliche Personen als Zuschauer anwesend, wie die Kaiserinnen von Österreich, der König von Preußen, und andere.  Wie TF weiter berichtet, war dieses Konzert wieder ein großer Erfolg.  

Das Konzert wurde laut TF am 2. Dezember zugunsten Beethovens wiederholt, wobei jedoch die Hälfte der Sitzplätze leer geblieben sei, und am 25. Dezember habe ein weiteres Konzert zugunsten des St. Markus-Hospitals stattgefunden, und zwar vor einem vollen Haus.  

Dies beendet die Geschichte der ersten Auffuehrungen von Op. 91 in Wien.  


ZUM WEITEREN SCHICKSAL DES WERKS UND ZUR
GLÜCKLICHEN BEILEGUNG VON BEETHOVENS STREIT MIT MÄLZEL

 

Wie TF [S. 623] berichtet, bot Beethoven das Werk 1815 Sir George Smart für 70 Guineen und den Klavierauszug dazu für 30 Guineen an.  Dazu können wir Sie hier  auch auf unseren ausführlichen Bericht in der Entstehungsgeschichte der Siebten Symphonie verweisen:


Beethovens Siebte Symphonie
Siehe dort unter: Veröffentlichungsgeschichte


Aus TF erhellt auch, dass Beethoven in dieser Sache mit Johann Peter Salomon und mit seinem ehemaligen Schüler Ferdinand Ries korrspondierte und dass der englische Verleger Robert Birchall vier Beethoven'sche Werke erstand:  Die Klavierauszüge zu Op. 91, Op. 92, das Erzherzogtrio Op. 97, und die Sonate für Klavier und Violine, Op. 96, zum Preis von 136 Golddukaten oder 65 englischen Pfunden, die im Jahr 1816 erschienen [TF:660].  Auch Steiner in Wien veröffentlichte Op. 91 und die Klavierauszüge dazu im Jahr 1816 [TF: 660]. 

Zur Beilegung von Beethovens Rechtsstreit mit Mälzel berichtet TF:

"In numbers 5 to 8 inclusive of the Neue Musik Zeitung appeared from the pen of J.S. Kandler, a long article containing historical notices of various attempts to produce a satisfactory instrument for measuring time in music, and closing with an account, taken from the English, of Maelzel's metronome.  To No. 25 (June 19) of the same journal, Gottfried Weber contributed a paper "On a chronometric tempo designation which makes Maelzel's metronome as well as all other chronometric instruments, unnecessary," in which he repeated his idea, already put forth in the Leipzig Musikzeitung in 1813, that the simplest and most correct chronometer is a simple pendulum, a bit of thread with a bullet at the end, whose oscillations would mark the duration of measures according to the length of the thread.  This article pleased Beethoven, and in one of his variations on the theme of pens he commended it to his "clarissime amice" Zmeskall, as the best invention yet made" [Thayer-Forbes: 686; --

-- TF berichtet, dass in Nr. 5 - 8 der Neuen Musik Zeitung von J.S. Kandler ein langer Artikel erschien, der geschichtliche Aufzeichnungen zu verschienenen Versuchen, ein zufriedenstellendes Instrument zur Messung des musikalischen Tempos enthielt und der mit einer Darstellung des Mälzel'schen Metronoms, aus dem Englischen entnommen, ende.  Zu Nr. 25 [vom 19. Juni] dieser Zeitschrift habe Gottfried Weber einen Artikel beigetragen, der sich mit "Einer chronometrischen Tempobestimmung, die Mälzels Metronom wie auch alle anderen chronometischen Geräte unnötig macht", befasste und in dem er seine Idee erneut darstellte, die er bereits 1814 in der Leipziger Musikzeitung vorgestellt habe, nämlich, dass der einfachste und genaueste Chronometer ein einfaches Pendel sei, ein Stück Faden mit einer Kugel am Ende, dessen Schwingungen nach der Länge des Fadens die Dauuer der Takte messen würde.  Laut TF gefiel dieser Artikel Beethoven, und in einer seiner Variationen auf das Thema der {Schreib]federn soll er ihn seinem "clarissime amice" Zmeskall als die "beste Erfindung, die bis jetzt gemacht worden ist" empfohlen haben]:

"Beethoven an Nikolaus Zmeskall

                                                                                                            [Wien, 1817][1] 

    wohlgebohrenster! clarissime amice! mein ehemaliger Federnschneider betet wahrscheinlich dort oben für mich, dass ich bald ohne Federn schreibe![2] --

    lesen sie dieses über chronometrische tempo Bezeichung[3] -- mir scheint es noch das Beste hierüber erfundene -- nächstens besprechen wir unss darüber -- verlieren Sie dieses ja nicht. --

                                                                                                           in Eil ihr Beethowen"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briewechsel Gesamtausgabe, Band 4, Brief Nr. 1209, S. 142-143; Original:  Wien, Österreichichte Nationalbibliothek; zu [1]: dazu verweist die GA auf das Wasserzeichen "IGLAU" im Autograph und darauf, dass Beethoven diese Papiersorte 1816/17 bis Anfang 1818 verwendete und darauf, dass er sich 1817 mit verschiedenen Fragen der Metronomisierung befasste; zu [2]: verweist darauf, dass Zmeskall Beethoven in den Jahren 1811-1813 häufig Schreibfedern besorgt hatte, dass hier aber wohl eine andere, verstorbene Person gemeint sein muss; zu [3]: dazu verweist die GA auf den Aufsatz Rückblicke auf die Chronometer und Herrn Mälzels neueste Chronometerfabrik in London von Franz Sales Kandler, der im Januar und Februar 1817 in vier Heften [Nr. 5 - 8] in der Wiener Allgemeinen Musikalischen Zeitung I, Spalten 33ff, 41ff, 49ff und 57ff veröffentlicht worden ist und darauf, dass sich auch Zmeskall mit der Konstruktion eines Chronometers befasste und darüber publiziert hat, mit Veweis auf die Wiener AMZ I, 1817, Spalten 293 ff und 305ff, Tactmesser zum praktischen Gebrauch geeignet; Angaben S. 143 entnommen].

Wie TF [S. 686 ff] weiter berichtet, soll Zmeskall das Thema mit Interesse verfolgt haben und in zwei Artikeln der selben Zeitschrift darauf hingewiesen haben, dass Neate in London ein Taktmessungsgerät der selben Art in England beschrieben habe, das jedoch nicht lange im Gebrauch gewesen sei:  "ein kleiner Ball, der am Ende eines Fadens hängt, und darunter eine Linie, eingeteilt in eine Skala von Zollen."  Zmeskall stimmte Webers Meinung grundsätzlich zu, fügte jedoch eine Verbesserung hinzu indem er vorschlug, dass die Schwingungen des Pendels die Dauer einer Note anzeigen anstatt eines Taktes, und dass die verschiedenen Längen des Pendels durch Knoten im Faden gekennzeichnet werden sollten.  Beethoven, dem Zmeskall seine "Erfindung" geschickt zu haben schien, sei daran interessiert gewesen und habe dessen Einfachheit gelobt und spielerisch darauf hingewiesen, ob man damit nicht die Zeit bis in die Ewigkeit messen könne.

Wie TF weiter berichtet, sei bereits Musik im Druck vorgelegen, die Mälzels Tempoangaben anzeigte und dass Weber, der Mälzel nicht freundlich gesonnen gewesen sei, in der nächsten Ausgabe der Wiener AMZ I, gleich auf Zmeskalls Artikel, einen Artikel veröffentlicht habe mit dem Titel "Mälzels Metronom gratis überall erhaeltlich", in dem er eine Tabelle veröffentlichte, die die Längen eines Pendels in Rheinischen Zollen und französischen Zentimetern zeigte.  Im Lauf der Monate sei das Metronom in England, Frankreich und in den Vereinigten Staaten in Gebrauch gekommen, jedoch nicht in Deutschland und Österreich.  Es sei für die Hersteller des Metronoms sehr wichtig gewesen, den guten Willen und die Zustimmung der Komponisten dieser Länder, wie Salieri, Weigl und Beethoven,  zu gewinnen.  Deswegen sei Mälzel nach Wien zurückgekehrt und habe das Risiko auf sich genommen, die Folgen der Beetoven'schen Gerichtsklage gegen ihn auf sich zu nehmen.  Diese Folgen seien jedoch nicht entstanden, da die Angelegenheit friedlich gelöst worden sei.  Jede Partei habe die Hälfte der Prozesskosten übernommen.  Dies wäre laut TF kaum möglich gewesen, falls Beethoven eine vertretbare Klage verfolgt hätte, da seine Sanktionierung des Metronoms für Mälzel von solchem Wert war, dass Mälzel bereit gewesen wäre, in jedem Fall nachzugeben.  Laut TF legt auch der Ton von Beethovens Korrespondenz dieses Jahres nahe, dass seine Finanzlage der Art war, dass er begründete Rechtsansprüche nicht leicht aufgebeben hätte.

    Beethoven sei ursprünglich dem Instrument nicht wohlgesonnen gewesen, obwohl er im Jahr 1813 mit Salieri anderen den "Chronometer" stark empfohlen hatte, so dass dieses Zeugnis in England a fortiori benutzt worden sei.  In einem Brief habe Joseph Mickley aus Philadelphia geschrieben:

""Mr. Maelzel, with whom I am well acquainted, told me that he had been particularly anxious Beethoven should mark his music by his metronome, and to get his recommendation, that he (B) refused and became quite indignant, saying: 'It is silly stuff, one must feel the tempos'" [TF: 687; --

-- "Hr. Maelzel, den ich gut kenne, sagte mir, dass er besonders darauf erpicht gewesen sei, dass Beethoven seine Musik mit seinen Metronommarkierungen versehen solle und dass er seine Empfehlung erhalten würde, dass er (B) jedoch dies abgelehnt hätte und ungehalten geantwortet habe:  'Das ist Unsinn, man muss die Tempi fühlen'"].

Beethoven habe jedoch bald den Vorteil der Erfindung erkannt und sie befürwortet.  Die sei in der Öffentlichkeit dadurch geschehen, dass klar auf die Einwände Webers und Zmeskalls in einem Artikel von Mosel in Steiners Musik Zeitung vom 27. November 1817 hingewiesen worden sei, was den Streit in Bezug auf dieses Thema beendet habe.  In der Zwischenzeit habe Beethoven eine Zeittakttabelle für seine acht Symphonien angefertigt, die in der Leipziger AMZ vom 17. Dezember 1817 (kopiert, wie Nottebohm berichtet habe, von einem kleinen Blättchen, das Steiner & Co. veröffentlicht habe, in dem auch Zeittaktangaben zum Septett erschienen seien), gefolgt von einer allgemeinen Metronomisierung seiner Werke.  Auf dem Autograph seines Lieds "Nord oder Süd" habe er geschrieben: "100 nach Mälzel, aber nur bezüglich der ersten Takte, da das Gefühl auch sein eigenes Tempo hat und nicht durch diese Zahl [100] ausgedrückt werden kann."

TF schreibt weiter dass, falls das Bild Mälzels, das Schindler und seine Kopisten entworfen hätten, wahr sei, selbst der christlichste Geist der Vergebung nicht mehr von Beethoven verlangen konnte als diese öffentliche Anerkennung des Werts des Metronoms; er habe jedoch mehr getan, indem er an Mosel den folgenden, für die Nachwelt sehr interessanten Brief geschrieben habe:

"Beethoven an Ignaz Mosel[1]

                                                                                                      [Wien, November 1817][2]

Euer wohlgebohrn!

    Herzlich freut mich die selbe Ansicht, welche sie mir mir <haben>theilen,> in Ansehung der noch aus der Barbarey der Musick herrührenden Bezeichnungen des Zeitmaaßes, denn nur z.B. was kan widersinniger seyn als Allegro welches ein für allemal Lustig heisst, u. wie weit entfernt sind wir oft von diesem Begriffe dieses Zeitmaaßes, so dass das Stück selbst das Gegentheil der Bezeichnung sagt. --

    was diese 4 HauptBewegungen betrift, die Aber bey weitem die wahrheit oder Richtigkeit der 4 Hauptwinde nicht haben, so geben wir sie gern Hindan, ein anderes ist es mit dem Karakter des Stücks bezeichnenden Wörtern, solche könen wir nicht aufgeben, da der Takt eigentlich <nur> mehr der Körper ist, diese aber schon selbst Bezug auf den Geist des Stückes haben -- was mich angeht, so habe ich schon lange drauf Gedacht, diese widersinnigen Benenungen Allegro, Andante, Adagio, Presto aufzugeben, Mälzels Metronom gibt unss hiezu die Beste Gelegenheit, ich gebe ihnen Mein Wort hier, dass ich sie in allen meinen neuern Komposizionen nicht mehr gebrauchen werde -- eine andere Frage ist es ob wir hiedurch die so nöthige Allgemeinheit[3] des M. bezwecken werden, ich glaube kaum? dass man unss aber als ZwingHerren ausschreyen wird, daran zweifle ich nicht, wäre nur der sache selbst damit gedient, so wäre es noch immer Besser als unss des Feudalismus zu beschuldigen -- daher glaube ich[4], das beste sey besonders für unsere Länder, wo einmal Musick National-Bedürfniss geworden, u. jedem DorfSchulmeister der Gebrauch des Metr.[5] gefoerdert werden muss, dass Maelzel eine gewisse Anzahl der Metronome <auf> mit Prenumerazion suche anzubringen +zu den höhern Preisen+, u. sobald diese Zahl in dekt, so wird er im stande seyn, die uebrigen noethigen Metron. für das Muskalische National Bedürfniss so wohlfeil zu geben, dass wir sicher die gröeste Allgemeinheit u. verbreitung davon erwarten können. -- Es versteht sich von selbst, dass sich einige hiebey an die spize stellen müssen, um Aneiferung zu erwecken,[6] was <mich betri&ft; an mir liegt, so können sie sicher auf mich rechnen, u. mit Vergnügen erwarte ich den Posten, welchen sie mir hiebey anweisen werden.[7] --

Euer Wohlgebohrn Mit Hochachtung Ergebenster

                                                                                                               Ludwig van Beethowen"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe Band 4, Brief Nr. 1196, S. 130-133; zu [1]: verweist auf Ignaz Franz Mosel [1772-1844], Hofsekretär im k.k. Obersthofmeisteramt in Wien, der 1818 in den erblichen Adelsstand erhoben wurde, 1821 zum Hofrat ernannt wurde und als Vizedirektor der beiden Hoftheater tätig war.  1829 wurde er laut GA der Nachfolger Vesque von Puettlingens als Custos der kaiserlichen Hofbibliothek und besaß eine gründliche musikalische Ausbildung und betätigte sich als Arrangeur, Komponist und Musikschriftsteller.  Laut GA machte er sich besonders durch die Verbreitung der Händelschen Oratorien in Wien verdient.  Obwohl Mosel im obigen Brief nicht direkt angesprochen werde, bestehe jedoch kein Zweifel, dass er der Adressat ist.  Laut GA stammt das Autograph aus seinem Besitz und er zitierte und erwähnte es auch in einem seiner Aufsätze:  Die Tonkunst in Wien während der letzten fünf Decennien, in:  Allgemeine Wiener Musik-Zeitung 3 (1843), S. 557; zu [2]: laut GA gründet sich die Datierung auf die folgenden Überlegungen:  1.  Ende Oktober oder Anfang November 1817 sei Mälzel nach Wien gereist, um dort für sein Metronom zu werben, und er sei bis Anfang 1818 geblieben; 2. offenbar war es ihm gelungen, die Unterstützung Mosels zu gewinnen, da Mosel am 27. November 1817 in der Wiener AMZ I (sp. 405-410) einen Artikel, Herrn Johann Mälzels Metronome veröffentlicht habe, in dem er die Vorzüge der Mälzelschen Erfindung gegenüber dem Schnurpendel-Taktmesser, wie ihn Gottfried Weber und Nikolaus Zmeskall propagierten, herausgestellt habe; 3. in seinem Aufsatz Die Tonkunst in Wien ... berichte er, dass er sich in dieser Angelegenheit mit Beethoven ins Benehmen gesetzt habe, und verweist auf den vorliegenden Brief; 4. dieser dürfte deshalb einige Tage vor dem 27.11.1817 geschrieben worden sein; zu [3]: verweist auf die ursprüngliche Wortfolge, laut GA: Allgemeinheit so nöthige"; zu [4]: verweist auf die ursprüngliche Wortfolge "ich glaube"; zu [5]: verweist darauf, dass laut GA "etr." nachträglich eingefügt worden sei, vielleicht von fremder Hand; zu [6]: verweist darauf, dass Beethoven in dieser Zeit eine Liste von Metronombezeichnungen zu seinen Symphonien und Streichquartetten zusammengestellt hatte, die in zwei Lieferungen bei S.A. Steiner und Comp. veröffentlicht wurde; zu [8]: verweist darauf, dass laut GA das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen auch die von Beethoven und Salieri unterzeichnete Erklärung sein könnte, die am 14. 2. 1818 in der Wiener AMZ (2, Sp. 58f.) erschienen sei; Einzelheiten S. 131 + S. 133 entnommen].

Während Beethoven aus dem Ertrag seiner Konzerte, in denen auch Wellingtons Sieg aufgeführt wurde, eine hübsche Summe beiseite legen konnte [die er jedoch [fast] nicht anfassen würde, da er sich verpflichtet sah, seinem Neffen Karl ein Erbe zu hinterlassen], mag ihm wohl beim Gedanken an dieses Brotwerk [das er selbst nicht ernstlich als eines seiner wichtigen Werke erachtete, sondern eher als eine Laune der Zeit] ein bitterer Geschmack im Mund geblieben sein, und zwar hauptsächlich aufgrund der Tatsache, dass der englische Hof niemals bestätigte, das Werk erhalten zu haben.  Sogar noch im Jahr 1823 entwarf Beethoven den folgenden Brief an den ehemaligen Prinzregenten:

"Beethoven an Koenig Georg IV. von England[1] [Konzept]

    Indem ich mich nun unterfange, E. Majestät meine gehorsamste Bitte hiermit unterthänigst vorzulgegen,[2] wage ich es zugleich, derselben noch eine zweyte hinzuzufügen.

   Bereits im Jahre <1813>1813 war der Unterzeichnete so frey, auf vielseitiges Verlangen mehrerer hier domicilfremder Engländer, E.M. sein Werk, genannt "Wellingtons Schlacht u. Sieg bey Vittoria" zu übersenden, wo dasselbe damahls noch Niemand besaß.  Der in jener Zeit hier anwesende kais. russiche H.[err] Bothschafter Fürst v. Rasoumowsky, übernahm es, dieses Werk E.M. mittelst eines Kuriers zu übermachen.[3]

    Der Unterzeichnete nährte viele Jahre den süßen Wunsch, E.M. würden ihm den richtigen Empfang seines Werkes <durch> allergnädigst bekannt machen lassen; allein bis itzt konnte er sich dieses Glückes nicht[4] rühmen, u musste sich blos mit der kurzen Anzeige des H.[errn] Ries, seines würdigen Schülers, begnügen, der ihm meldete, dass E.M> dieses genannte Werk dem damahligen MusikDirector H.[errn] Salomon u. H.[errn] Smart allergnädigst zu übergeben geruheten, um solches im Theater Drury lane öffentlich zu produciren.  Dieß meldeten auch die englischen Journale, u fügten noch hinzu, so wie auch H.[err] Ries, daß dieses Werk mit außerordentlichem Beyfall sowohl in London, als allenthalben, gewürdigt wurde.

    Daß es für den Unterzeichneten sehr kränkend sey, alles dieses auf indirectem Wege erfahren zu müßen, werden E.M. seinem Zartgefühle gewiss verzeihen, u ihm Allergnädigst erlauben, hier zu bemerken, dass er keine Zeit u keine Kosten sparte, dieses Werk Ihrer Allerhöchsten Person anständigst vorzulegen, u Höhstihnen damit Vergnügen zu machen.

    Aus allen diesem schließt nun der Unterzeichnete, daß es E.M. unrichtig mag vorgelegt worden seyn, u da ihm seine hier angeführte gehorsamste Bitte wieder die Gelegenheit gewährt, sich E.M. mittelst diesem zu nähern so nimmt er sich die Freyheit, Höchstdenselben ein gestochenes Exemplar <dieser> von der Schlacht bei Vittoria in Partitur hier beyliegend unterthänigst zu übersenden, welches schon seit dem Jahr 1815 zu diesem Allerhöchsten Zwecke bereitet liegt,[5] u nur<in> wegen der Ungewissheit, in welcher der Unterzeichnete stets über diesen Gegenstand war, so lange zurückgehalten wurde.

    Uiberzeugt von der hohen Weisheit u Gnade, mit welcher E.M. stets die Kunst u den Künstler zu würdigen u zu beglücken wussten, schmeichelt sich der Unterzeich. daß Höchstdieselben dieses Allergnädigst berücksichtigen, u demselben seiner gehorsamsten Bitte in höchsten Gnaden willfahren werden.

Convaincu de la haute Sagesse dont votre Maj a toujours su apprecier l'art ainsi que de la haute faveur qu'elle accorde a l'artiste le soussigne se <...?> flatte que Votre Majeste prendra l'un et l'autre en consideration et vaudra en grace Condescendre a sa tres-humble demande.

                                                                                                                                a Vienne le <18>24.Fevrier."

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 5, Brief Nr. 1579, S. 56-58; Original:  Berlin, Staatsbibliothek; laut GA wurde das ausgeführte Schreiben, in Schindlers Handschrift, am 26. Februar von dem österreichischen Gesandtschaftssekretär Caspar Bauer nach London mitgenommen, aber nicht überreicht, siehe Brief Nr. 1641; laut GA wurde dieses Schreiben durch ein anderes ersetzt und dieses schlie&slzig;lich durch Ries' Vermittlung durch einen Pagen dem K&oml;enig zugesteckt [GA-Verweis auf Wegeler/RIes, S. 108f.]; zu [1]: verweist auf  Georg IV. August Friedrich, seit 1811 Prinzregent und seit 1820 König von England und Hannover; zu [2]: verweist darauf, dass dem ausgeführten Schreiben eine Einladung zur Subskription der Missa solemnis beigelegt werden sollte; zu [3]: verweist auf Brief Nr. 810 vom 5. Juni 1815 an Fuerst Rasumowsky, wo der gesamte Vorgang ausführlich dargestellt ist; laut GA versandte Beethoven jedoch die Partiturabschrift erst im Jahr 1814; zu [4]: verweist darauf, dass dies von Schindler nachträglich mit Bleistift eingefügt wurde; zu [5]: verweist darauf, dass die Partitur von op. 91 erst im Februar 1816 erschienen ist; Einzelheiten S. 57-58 entnommen].

"Beethoven an Ferdinand Ries in London [Fragment]

                                                                                                                             [Wien, Anfang Mai 1823][1]

. . .

Bauer erhaelt hiemit eine neue Schrift an den König,[10] in welcher aber blos von der Schlacht bey Vittoria, die er gestochen mitgenommen hat, die Rede ist, von der Messe geschieht keine Erwähnung.  Haben Sie nun die Güte Hrn Bauer zu sagen, er solle das erstere[11] öffnen, um zu sehen, wessen Inhalt das Schreiben sey.  Die Messe hat Hr. Bauer nicht mitbekommen.

. . .

wie immer der Ihrige

                                                                                                                          Beethoven"

[Quelle:  Ludwig van Beethoven Briefwechsel Gesamtausgabe, Band 5, Brief Nr. 1641, S. 117-119; Original:  Bonn, Beethoven-Haus, Sammlung Bodmer; zu [1]: verweist darauf, dass der Brief laut GA voraussetzt, das das Schreiben an König Georg IV. (Brief 1579), das der österreichische Gesandtschaftssekretär Bauer am 26.2.18123 mitgenommen hatte, noch nicht übergeben worden war.  Da Bauer erst am 13.3.1823 in London eintraft, kann laut GA eine entsprechende Nachricht erst im April 1823 Beethoven erreicht haben.  Laut GA erfuhr er um den 1. Mai 1823 von der bevorstehenden Rückkehr Bauers gegen Ende des Monats; falls laut GA der vorliegende Brief noch seinen Zweck erfüllen sollte, muss er bald danach, Anfang Mai 1823, geschrieben worden sein; zu [10]: laut GA nicht erhalten; zu [11]: verweist auf Brief Nr. 1579 vom 24. 2. 1823; Einzelheiten S. 118-119 entnommen].

Wie TF im Kapitel zum Jahr 1825 [S. 963]  berichtet, erfuhr Beethoven durch den Wien besuchenden Sir George Smart, dass die 'Schlachtsymphonie' zusammen mit dem Oratorium 'Christus am Ölberg' an einem Abend aufgeführt worden war.  Bei dieser Gelegenheit soll er jdoch nochmals seinen Unwillen in Bezug darauf, dass König Georg IV niemals den Emfpang des Werks bestaetigt hatte, geäu&slzig;ert haben.  

Wie man sich vorstellen kann, sollte das lukrative Gelegenheitswerk, das eine Schlacht des Jahres 1813 zum Thema hatte, bald in Vergessenheit geraten und hauptsächlich auf der Liste der Beethoven'schen Werke mit Opusnummern seinen Platz als Op. 91 einnehmen.  Sein ehemaliger 'Mitstreiter' Mälzel, der in 'Grove' [S. 485] als "evidently a shrewd businessman, with a propensity to use ideas of others for his own benefit" [also als ein Geschäftsmann, der die Ideen anderer zu seinem eigenen Gewinn einsetzte] beschrieben wurde und der, wie Grove dort weiter berichtet, in die USA reiste, "where he passed the rest of his life [except for a voyage or two to the West Indies). . . . He was found dead in his berth on board the American brig 'Otis'" [wo er laut Grove den Rest seines Lebens verbrachte, mit Ausnahme einiger Reisen in die Karibik.  Er wurde laut Grove am 21. Juli 1838 in seiner Kajüte auf dem Schiff 'Otis' im Hafen von La Guaira, Venezuela, tot aufgefunden].

 

ZUM MUSIKALISCHEN INHALT UND ZUR MODERNEN MUSIKKRITIK


Zum musikalischen Inhalt dürfen wir Sie auf die hier bereits gebotene AMZ-Rezension aus dem Jahr 1816 verweisen.

Maynard Solomon bemerkt zur "Qualität" des Werks:

"The leading musicians of Vienna particpated in the performance of Wellington's Victory.  Hummel and Kappelmeister Salieri played the drums and the cannonades; Schuppanzigh led the violins; and Spohr, Mayseder, and scores of others joined in the festivities--which, in Thayer's words, the musicians viewed "as a stupendous musical joke, and engaged in . . . con amore as in a gigantic professional frolic."  Beethoven, who had no illusions as to the quality of the work, . . . " [Solomon: 222; --

-- Solomon verweist auf die Teilnahme der führenden Wiener Musiker bei der Erstaufführung von Wellingtons Sieg und darauf, dass diese, in Thayers Worten, diese als einen tollen musikalischen Witz sahen und sich daran con amore wie bei einem riesigen, frohen Musikerfest beteiligten.  Auch Beethoven hatte, wie er schreibt, keine Illusionen in Bezug auf die Qualität dieses Werks].

William Kinderman weist sowohl auf die negativen als auch auf einige wenige positive Aspekte des Werks hin:

"Characteristic of Wellington's Victory are insistent repetitions of few basic figures on a broad but flat musical canvas.  As the British launch their assault in the 'Storm-March', the music consists largely of 24 almost undifferentiated repetitions of the single note A-flat, followed by 16 strokes on A and 16 more on B-flat, leading to still more repetitions on B.  Beethoven pushes up the music notch by notch, a familiar device in popular music.  This is symptomatic of the almost complete absence, in the Battle Symphony, of a unifying tonal and formal perspective such as we normally find in Beethoven.  Wellington's soldiers have no need of subtlety; they force their way heavily and brutally into the French defences.

    There are nevertheless a few finer points to Beethoven's musical depiction of the collapse of the French resistance.  He employs a motif with a triplet figure and falling semitone to serve as a tag for the French forces--this turn of phrase is clearly derived from the 'Marlborough' French marching-song heard at the outset.  As the British gain the upper hand, the the motif is deprived if its downbeat, suggesting an effect of breathless panic.  While the British canons pound relentlessly, Beethoven even dismembers what is left of the French motif.  In the bars following the 'double hits' of the cannoneers--as designated by two dark circle on successive beats--the 'Marlborough' figure is reduced to a single note.  The subsequent rout of the French army is conveyed not only by the long descending lines and decrescendo but by a limping and forlorn F-sharp minor version of the 'Marlborough' tune.  This dismal departure of the French army makes room for the triumphant 'Victory Symphony' that makes up the remainder of the work.

    The occasional subtle touches do little to relieve the impression of pastiche and bombast.  Some of the same rhetorical figures appear here as in Beethoven's important compositions, but an integrating aesthetic context is absent or undeveloped.  The Battle Symphony is a fascinating historical artefact, but a dubious work of art; it is a "consummated," not an 'unconsummated,' symbol. . . . " [Kinderman: 172; --

-- Kinderman schreibt, dass für Wellingtons Sieg die beharrlichen Wiederholungen einiger Grundfiguren auf einem breiten, aber flachen musikalischen Untergrund charakteristisch seien.  Wenn die Engländer ihren Angriff im 'Sturm-Marsch' beginnen, bestehe die Musik hauptsächlich aus 24 beinahe undifferenzierten Wiederholungen einer einzigen Note, As-Dur, gefolgt von 16 Noten auf A-Dur und 16 auf H-Dur, zu noch mehr Wiederholungen auf B-Dur führend.  Beethoven treibe die Musik Schritt für Schritt weiter, und K. nennt dies eine bekannte Technik der populären Musik.  Der Schlachtsymphonie fehle zudem eine einigende tonale und formale Perspektive, wie wir sie normalerweise in Beethovenschen Werken finden.  Wellingtons Soldaten brauchen jedoch keine Feinheiten, sie rammen ihren Weg gewichtig und brutal in die französische Verteidigungslinie hinein.

    Laut Kinderman gibt es jedoch einige feinere Aspekte zu diesem Werk, wie z.B. in Beethovens Darstellung des Zusammenbruchs des französischen Widerstands.  Er setzte dazu ein Motiv mit einer Triolenfigur und einem absteigenden Halbton ein, der als Kennzeichen der französischen Streitkräfte diene--diese Phrase werde eindeutig aus dem französischen 'Marlborough'-Marschlied entlehnt, das zu Anfang hörbar sei.  Als die Engländer die Oberhand gewinnen, entziehe Beethoven diesem Motiv den Abtakt und lege damit atemlose Panik nahe.  Während die britischen Kanonen ununterbrochen angreifen, zerlege Beethoven sogar noch das, was vom französischen Motiv übrig geblieben sei.  In den auf die Doppelschläge der Kanonen folgenden Takten werde die 'Marlborough'-Figur auf eine einzige Note reduziert.  Der nachfolgende Zusammenbruch der französischen Armee werde nicht nur durch die langen, absteigenden Linien und das Decrescendo charakteristiert, sondern auch durch eine humpelnde und verlorene Fis-Moll-Version des 'Marlborough'-Motivs.  Dieser traurige Abmarsch der französischen Armee schaffe Platz für die 'Siegessymphonie,' die den Rest des Werks ausmache.

    Laut Kinderman schaffen die gelegentlichen subtilen Ansätze es jedoch nicht, den bombastischen Eindruck des Werks zu vermindern.  Einige der rhetorischen Figuren erscheinen hier genauso wie in Beethovens wichtigen Kompositionen, aber es fehle eine integrierende Ästhetik, die nicht entwickelt sei.  Die Schlachtsymphonie ist laut Kinderman ein faszinierender historischer Artefakt, aber ein zweifelhaftes Kunstwerk, und er bezeichnet es als ein "verbrauchtes" im Gegensatz zu einem "nicht verbrauchten" Symbol].

Barry Cooper versucht, das Werk als solches ausgewogen zu beurteilen:

"The quality of Wellingtons Sieg has been much debated.  The work is often regarded as the nadir of Beethoven's compositional achievement, although it has also been described as a masterpiece.  A case could be made for either viewpoint, but to compare it qualitatively with the rest of his orchestral output is futile: it is different in kind, designed to be entertaining rather than serious and sophisticated.  Beethoven responded supremely well to the challenge of writing a programmatic work in an overtly vulgar style.  The degree of realism he achieves, particularly with the cannons, far surpasses any previous attempts, as does the musical complexity in terms of keys, motivic development and tonal organization; but these features are combined with many of the traditional features of battle music--march-like rhythms, trumpets and drums, and victory celebrations.  As with the folksong settings, Beethoven takes a time-honored genre and raises it to a new level in a highly imaginative and original composition" [Cooper: 226; --

-- Cooper schreibt, dass die Qualität von Wellingtons Sieg of diskutiert wurde.  Das Werk werde oft als der Tiefpunkt von Beethovens kompositorischen Errungenschaften angesehen, obwohl es auch als ein Meisterwerk beschrieben wurde.  Man könne für beide Meinungen eintreten, aber dieses Werk in Bezug auf seine Qualität mit anderen seiner Orchesterwerke zu vergleichen sei fruchtlos:  es sei verschieden, dazu angelegt, zu unterhalten und nicht, als ernstes Werk angesehen zu werden.  Beethoven habe die Herausforderung, ein Programmwerk in einem offensichtlich vulgären Stil zu schreiben, auf außergewöhnliche Weise gemeistert.  Der Grad des Realismus, den er erreiche, besonders mit den Kanonen, gehe weit über bis dahin Erreichtes hinaus, wie auch in Bezug auf die musikalische Kompliziertheit der Tonarten, der motivischen Entwicklung und der tonalen Einteilung; aber diese Charakteristiken seien mit vielen der herkömmlichen Charakteristiken der Schlachtmusik--marschartige Rhythmen, Trompeten und Trommeln, und Siegesfeiern verbunden.  Wie mit den Volksliedarrangements habe Beethoven ein bewährtes Genre aufgegriffen und es in einer sehr erfindungsreichen und originalen Komposition zu neuen Höhen erhoben].

Lewis Lockwood ist dem Werk nicht so gut gesonnen:

"We need hardly be reminded that the battle piece Wellingtons Sieg ("Wellington's Victory") is far below Beetoven's normal standards, a shameless concession to the political wave of the moment, written to win him acclaim as a patriotic Austrian artist. . . .     

    Beethoven gave in to Maelzel's blandishments and concocted his piece in two parts.  Part 1 depicts the battle itself, beginning with "Rule Britannia" to represent the British forces and continuing with "Malbrouck," or "Marlborough," as the French army's march, both preceded by trumpets and drums.  The battle itself is a colossal noisemaker with cannon shots for both sides marked in the score and a weakened "Marlborough" signaling the French in defeat.  Part 2 consists of a "Victory Symphony" in several parts, with two variations, one a tempo di menuetto, the other a fugato that leads to a smashing final coda.  . . ." [Lockwood: 337-338; --

Lockwood schreibt, dass wir kaum daran erinnert werden müssen, dass das Schlachtstück Wellingtons Sieg weit unter Beethovens normalem Standard liegt.  Er bezeichnet es sogar als eine schamlose Konzession gegenüber der politischen Woge des Tages, geschrieben, um ihm als österreichischen, vaterländisch gesinnten Künstler Anerkennung zu bringen. . . .

   Beethoven habe sich Mälzels "Ideen" gebeugt und ein Stück in zwei Teilen geschaffen:  Der erste Teil stelle die Schlacht selbst dar, angefangen mit "Rule Britannia" als Vertretung der britischen Streitkräfte, und fortfahrend mit "Malbrouck" oder "Marlborough", dem Marsch der franz¨sischen Armee, beide von Pauken und Trompeten eingeleitet.  Die Schlacht selbst sei ein riesiger Lärmerzeuger mit Kanonenschüssen auf beiden Seiten und einem geschwächten "Marlborough", das den Sieg über die Franzosen andeute.  Der zweite Teil bestehe aus einer "Siegessymphonie" in verschiedenen Teilen, mit zwei Variationen, eine davon ein tempo di menuetto, die andere ein Fugato, dass zu einer rauschenden Schlusscoda führe. . . . ]. 


 

QUELLENANGABEN

 

Cooper, Barry: Beethoven.  (Master Musician Series, edited by Stanley Sadie). Oxford: 200, Oxford University Press.

Kinderman, William.  Beethoven.  Oxford + New York: 1997, Oxford University Press.

Lockwood, Lewis.  Beethoven.  New York: 2003,  W.W. Norton & Company.

Ludwig van Beethoven.  Briefwechsel Gesamtausgabe. [6 Bände]  Im Auftrag des Beethoven-Hauses Bonn herausgegeben von Sieghard Brandenburg.  München: 1996, G. Henle Verlag.

Schindler, Anton Felix, Beethoven as I Knew Him, Edited by Donald W. MacArdle, The University of North Carolina Press, Chapel Hill, Faber and Faber, London, 1966.

Solomon, Maynard. Beethoven. New York: 1979, Schirmer Books, Paperback Edition.

Thayer's Life of Beethoven, edited by Elliott Forbes. Princeton, New Jersey: 1964, Princeton University Press.

Thayer, Alexander Wheelock: Ludwig van Beethovens Leben. Nach dem Original-Manuskript deutsch bearbeitet von Hermann Deiters, 5 Bände, Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1907 (Bd. 4), 1908 (Bd. 5), 1910 (Bd. 2), 1911 (Bd. 3), 1917 (3. Aufl., Bd. 1).

 

 

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Op. 91 im Digitalen Beethoven-Haus in Bonn

Partitur zu Wellingtons Sieg bei Vittoria
International Music Score Library-Projekt bei Wikipedia

Unheard Beethoven: Wellington's Sieg bei Vittoria
Originalversion für Panharmonicon, Hess 108